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Klaus Wallbaum zum Landtag

Die Umkehr

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Unter Kunstlicht, in der trüben Atmosphäre der sechziger Jahre, lässt sich kaum frei und unverkrampft debattieren. Deshalb haben viele Landtagsabgeordnete den Neubau ihres Plenarsaals gefordert. Dass der alte Oesterlen-Bau wie ein Bunker wirkt und das Parlament als wichtigstes Gebäude der Demokratie von der Außenwelt abschottet, statt auf die Bürger einladend und transparent zu wirken, kommt noch hinzu.

Gute Gründe für den Neubau gibt es also schon.

Dass die Zeichen jetzt trotzdem besser für eine andere, weniger großzügige Lösung stehen, hat vor allem zwei Ursachen: Erstens fällt die Entscheidung in die Zeit der größten Finanz- und Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit, und da sind die politischen Institutionen gut beraten, selbst mit Bescheidenheit und Sparsamkeit voranzugehen. Zweitens überzeugt der Sieger-Entwurf nicht wirklich, er wirkt auf die einen zu protzig und maßlos, auf die anderen zu ungewohnt. Begeisterung hat das Konzept nirgendwo ausgelöst – eher im Gegenteil. Das überwiegend negative Echo in der Öffentlichkeit hat die Spitzen der großen Fraktionen nicht unbeeindruckt gelassen.

Aus heutiger Sicht war es ein Fehler, mit einem neuen Wettbewerb auf die Suche nach einer architektonischen Perle zu gehen. Besser wäre es gewesen, auf der Basis alter Pläne einen sanften und kostengünstigen Umbau anzupeilen. Ob das jetzt noch möglich ist, bleibt fraglich. Allmählich wird die Zeit knapp.

Einen Verlierer hat die Debatte schon: Landtagspräsident Hermann Dinkla. Er hat sein politisches Schicksal im Amt mit diesem Umbau verknüpft und muss jetzt erleben, wie die Zustimmung zu dem von ihm favorisierten ersten Platz mehr und mehr schwindet. Die nächsten Tage werden zeigen, auf wie viel Rückhalt Dinkla im Landtag noch rechnen kann.

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