Überall in Afghanistan ist die Arbeitslosigkeit groß. Junge Männer – auch solche, die eine Schule besucht haben – lungern herum und bekommen keine Chance, das Geld für die Gründung und den Unterhalt einer Familie zu verdienen. Die Taliban nutzen diese Situation seit Jahren rigoros aus, indem sie Kämpfer anwerben und mit schmutzigem Geld aus Drogengeschäften bezahlen. Wenn es gelingt, diesen Teufelskreis zumindest teilweise zu durchbrechen, wäre für die Sicherheit in Afghanistan und das wirtschaftliche Wohlergehen vieler Menschen eine Menge erreicht.
Doch ein Aussteigerprogramm, wie es sich auch Präsident Hamid Karsai vom Westen wünscht, kann nur ein Baustein für die Verbesserung der Sicherheit am Hindukusch sein. So lange Polizisten und junge Soldaten mit Hungerlöhnen abgespeist werden, wird nicht nur die Korruption im Lande weiter üppige Blüten treiben, sondern auch die Verlockung fortbestehen, sich von den Taliban-Führern oder anderen Terroristen anwerben zu lassen. Aus guten Gründen macht die Gewerkschaft der Polizei in Deutschland darauf aufmerksam, dass die verstärkte Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte ein erhebliches Risiko birgt: Wer den Umgang mit der Waffe perfekt beherrscht und das sogar mit einer Urkunde der Polizei belegen kann, ist bei den Aufständischen jederzeit willkommen. Deshalb gilt es, Fluktuation und Fahnenflucht in den afghanischen Sicherheitskräften zu stoppen und Loyalität zu erzeugen. Das kostet Geduld und viel Geld.
So nachhaltig wie die Taliban zum Ausstieg ermuntert werden müssen, so tatkräftig sollten Polizisten und Soldaten vor der Abwerbung durch die Rebellen bewahrt werden. Eine Alternative dazu gibt es nicht.
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