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Klaus von der Brelie zum Iran

Ein Hilferuf


So viel Mut gibt es nicht überall: Trotz strenger Verbote wagten sich gestern im Iran erneut viele Menschen auf die Straßen, um gegen die Regierung in Teheran zu demonstrieren. Das Regime reagierte wie immer und ließ die Oppositionellen von der Polizei und der Revolutionsgarde verprügeln.

Wasserwerfer und Warnschüsse vertrieben die Gegner von Präsident Ahmadinedschad. Der von den Ayatollahs abhängige Herrscher demonstrierte Stärke – und machte der Weltöffentlichkeit einmal mehr klar, wes Geistes Kind er ist. Seinen Kritikern verweigert er das Demonstrationsrecht, zugleich aber inszeniert er Demonstrationszüge – die sich allerdings strikt gegen die USA richten müssen. Wer so agiert, verhöhnt zugleich sein eigenes Volk und den Rest der Welt.

Ahmadinedschad hat bei der Wahl in diesem Sommer betrogen und anschließend viele Hundert Gegner einsperren lassen. Jetzt verweigert er ihnen faire Prozesse. Nicht nur Kriminelle, auch politisch Andersdenkende werden im Iran kurzerhand zum Tode verurteilt und umgebracht.

Es wird Zeit, dass dieser Mann gebremst wird, mit allen diplomatischen Mitteln, die dafür zur Verfügung stehen. Die Lage im Iran selbst, aber erst recht die wachsende atomare Gefahr, die von diesem Land ausgeht, machen ein zügiges und entschlossenes Handeln dringend erforderlich. Die Iraner, im In- und Ausland sehen das genauso. Ihr Protest gegen das Regime in Teheran ist ein Hilferuf an den Westen. Die Kunst wird nun darin liegen, den Iran nicht in die Ecke zu treiben und die Eskalation noch zu befördern. Dem Regime jedoch muss ein Katalog von Sanktionsmaßnahmen vor Augen geführt werden – und die Opposition braucht neben ideellen Zeichen der Ermutigung auch eine konkrete Unterstützung. Warum soll dem Mauerfall in Berlin 20 Jahre später nicht auch der Zusammenbruch fundamentalistischer Herrschaftsansprüche folgen?

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