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Dietmar Ostermann über die russische Spionage in den USA

Ein Störfaktor


Bleibt es bei dem, was man bislang über den in den USA ausgehobenen russischen Spionagering weiß, dann müsste Moskau dem FBI eigentlich dankbar sein, die Dilettantentruppe aus dem Verkehr gezogen zu haben. Die Klageschrift zum jüngsten Agentenkrimi jedenfalls liest sich wie eine Farce: Russlands Spitzel haben offenbar jahrelang in den USA angenehm gelebt, ohne auch nur ein einziges brisantes Geheimnis zu lüften.

Jeder Journalist, der seinen Job in Washington halbwegs ordentlich macht, hat demnach bessere Kontakte als die Maulwürfe des Kreml. In deren verschlüsselten Depeschen ging es häufig vor allem darum, frisches Geld aus Moskau lockerzumachen. Als Hauptfiguren für einen modernen Spionagefilm taugen chinesische Hacker besser.

Wenn der Fall dennoch Sprengstoff birgt, dann vor allem politisch. Russland und die USA waren gerade dabei, das lange angespannte Verhältnis zu begradigen. Die Annäherung an Moskau ist einer der bislang wenigen greifbaren außenpolitischen Erfolge von US-Präsident Barack Obama. Der Start-Nachfolgevertrag zur Reduzierung der beiden weltgrößten Atomarsenale ist ebenso eine Folge der Tauwetterpolitik wie die russische Unterstützung der Iran-Sanktionen.

Nun droht ein neuer Tiefpunkt in den Beziehungen, es könnte sich auf beiden Seiten das alte Misstrauen wieder durchsetzen. In Moskau wäre das ganz im Sinne jener Riege von KGB-Veteranen, die dem Westen stets in alter Feindschaft verbunden blieb und die nach dem Agentenflop eigentlich blamiert dasteht. In Washington wiederum gibt es Kreise, die glauben, Obama komme Moskau – Stichwort: Raketenabwehr – zu weit entgegen.

Dietmar Ostermann

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