Das Urteil führt den Kambodschanern – und der Welt – vor Augen, welch grausigen Folgen Willkür und übermäßige Machtfülle in dem kleinen Land am Südostzipfel des asiatischen Kontinents gehabt haben. Das ist eine Lektion, die Kambodschas autokratischem und selbstherrlichem Premierminister Hun Sen, der selbst den alten Kadern noch verbunden ist, nicht willkommen sein kann.
Die Opfer wiederum sind angesichts des relativ geringen Strafmaßes enttäuscht. Sie wollen die Milde des Gerichts nicht akzeptieren und werfen ihm vor, der Verteidigungsstrategie auf den Leim gegangen zu sein. Und es stimmt: Ein härteres Urteil hätte sicher mehr zur Aussöhnung in einem Volk beigetragen, dass immer noch tief zerrissen ist und in dem viele trotz aller Hoffnung auf eine rosige wirtschaftliche Zukunft tiefen Hass auf die Roten Khmer empfinden.
Aber Duch war nur ein Handlanger des Mordregimes, seine Verurteilung lediglich ein erster Schritt. Kambodscha wartet nun auf die noch ausstehenden Prozesse gegen vier in Untersuchungshaft sitzende hohe ehemalige Funktionäre des Regimes. Das Gericht wies am Montag bereits darauf hin, dass es diese Männer waren, die die Befehle gaben. Es ist offensichtlich, dass die Richter mit ihrem ersten Urteil gegen Duch Spielraum lassen wollten für härtere Strafen gegen die Anführer.
Doch es steht zu befürchten, dass Kambodschas Regierung den Prozess gegen die noch lebenden, greisen Architekten des Völkermords heimlich, still und leise behindern wird. Nach dem immer wieder verschleppten Verfahren gegen Duch schrillen nicht nur bei den Opfern bereits die Alarmglocken. Man kann nur hoffen, dass ihre Aufmerksamkeit und internationaler Druck die Hindernisse überwinden werden, die mit ziemlicher Sicherheit bald wieder aufgetürmt werden.
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