Der Römer hat bekanntlich eine Zeit lang jede seiner Reden mit dem Satz beendet, dass er im Übrigen dafür sei, dass Karthago zerstört werden müsse. Was schließlich zum Erfolg führte.
Der deutsche Finanzminister will weniger zerstören als bewahren. Weshalb er ständig betont, dass er unter dem Druck der Wirtschaftskrise mit einem Rekordschuldenhaushalt leben kann, dass aber bald gespart werden müsse. Was er damit andeutet, versteht jeder, der es will: Für Steuerleichterungen ist da kein Spielraum.
Die heutigen Regierungsparteien hatten im Wahlkampf aber eine große Steuerreform versprochen. Nicht mehr und nicht weniger. Es ist auffällig, wie weit die Vorstellungen zwischen CDU, CSU und FDP auseinanderklaffen, was eine große Steuerreform unter dem Diktat der Schuldenbremse ist. Würde die Regierung tatsächlich kräftige Steuererleichterungen beschließen, müsste sie entweder in den Einzeletats sparen, bis es quietscht, oder sie müsste gegen die Schuldenbremse verstoßen.
Wenn die schwarz-gelbe Koalition nun keine große Steuerreform zustande bringt, steht die Regierung als Wahlbetrüger da. Das heißt, jeder Weg, den man vor sich sieht, führt ins Verderben. Dieser Umstand lässt sich nur mit einem Rückgriff auf die Antike beschreiben. Man spricht dann nicht von spätrömischer Dekadenz, sondern von einer klassischen griechischen Tragödie. Die gehen, wie man weiß, nie gut aus.
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