Gerhard Schröders Urenkel im Parteivorsitz hält jedoch dagegen. Er führt sehr bewusst vor, wie schwer er sich tut und wie viel Überwindung es ihn doch kostet, den einstigen Berliner Finanzsenator vor die Tür zu setzen.
Diese inneren Qualen Gabriels, die in seinem Satz gipfeln „mir wäre es ja auch lieber, wenn wir ihn nicht mit einem Ausschlussverfahren überziehen müssten“, sind vermutlich nicht einmal gespielt. Gabriel weiß genau, dass es nicht wenige unter den Genossen gibt, die Sarrazins Kritik an den bestehenden Parallelgesellschaften und an der Abschottung mancher Bevölkerungsgruppen teilen. Ein aufrechter Sozialdemokrat kann schon auch die Meinung haben, dass es nicht ohne staatliche Konsequenzen bleiben darf, wenn jemand partout keine Arbeit aufnehmen möchte, oder sich weigert, seine Kinder zur Schule zu schicken. Weil das so ist, packen die Führungsgremien der Partei Sarrazin auch nicht bei diesem Anliegen, sondern bei seinen verquasten Thesen zur Vererbbarkeit von gesellschaftlichen Verhaltensweisen. Etwa daran, dass es so etwas geben soll wie ein Juden-Gen.
Gabriel hat recht, wenn er sagt, dass Sarrazin da gefährlich in die Nähe von Begriffen wie „Halbjude“ gerät, also an Rassentheorien anknüpft. Das sagt einiges über den Geisteszustand von Sarrazin. Aber in einem Parteiausschlussverfahren muss nachgewiesen werden, was genau an diesem Geisteszustand parteischädigend ist. Das Etikett „Spinner“ ist kein Ausschlussgrund. Sonst wären die politischen Parteien auf einen Schlag alle viel kleiner.
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