Einer von ihnen hörte Gangster-Rap, der andere Hip-Hop. Beide waren ohne Arbeit und vertrieben ihre Zeit mit Drogen, Raubüberfällen und dem dann fälligen Gefängnisaufenthalt – im Internetforum als „Urlaub“ gepriesen.
So viel zu den Erkenntnissen aus dem Mord in der Münchener S-Bahn: Es gibt ganz unten in unserer Gesellschaft Menschen, denen alle Maßstäbe abhanden kommen und die schließlich auch bei Gewalt keine Grenzen mehr kennen. Weil es so schwer ist, mit dieser Einsicht zurechtzukommen, folgt der Tat der Ruf nach politischen Konsequenzen auf dem Fuß. Was aber, Hand aufs Herz, soll die politische Folge der grauenvollen Tat von München sein? Will man Gangster-Rap verbieten? Die Strafen für Gewalttaten erhöhen? Die beiden Männer, die im Alkoholrausch ohne Erbarmen auf ihr Opfer eingetreten haben, hätten sich durch ein paar Jahre Gefängnis mehr sicher nicht abschrecken lassen. Und sicher wird kein Richter auf die Idee kommen, den 18-jährigen Täter nach dem Jugendstrafrecht zu verurteilen – ganz gleich, ob jetzt eine Debatte über Jugend- und Erwachsenenstrafrecht geführt wird oder nicht.
Immerhin, ganz ohne Hoffnung war das Leben der Täter nicht. Er wolle einmal „seine Familie stolz machen“, schrieb einer von ihnen vor Jahren im Internet. Es mag sein, dass er kaum Chancen in unserer auf Erfolg getrimmten Gesellschaft hatte. Man sollte sich aber hüten, dies als Erklärung (oder gar Entschuldigung) dafür gelten zu lassen, dass ein Mensch totgeschlagen wird.
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