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Gerd Höhler zur Türkei und Nahost

Gratwanderung


Lügen, Staatsterror, Verbrechen gegen die Menschlichkeit“: Gabby Levy, dem israelischen Botschafter in der Türkei, dürfte es nicht leichtgefallen sein zu notieren, was der türkische Premier Tayyip Erdogan gestern auf der Istanbuler Konferenz seinem Land alles vorzuwerfen hatte.

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad, der an den Bosporus gekommen war, wird mit Genugtuung festgestellt haben, wie tief der Keil geht, den die israelische Kommandooperation gegen die Gaza-Hilfsflotte zwischen die Türkei und Israel getrieben hat.

Eskaliert der Konflikt zwischen Israel und seinem einzigen Verbündeten in der Region? Das würde weder Israel noch der Türkei nützen. Allerdings: Von der türkischen Bevölkerung war die von den USA inspirierte Zusammenarbeit beider Länder etwa in Militärfragen nie emotional nachvollzogen worden. Das Herz der Türken schlug immer schon für die Palästinenser. Seit Ende 2002 in Ankara die islamisch-konservative Ak-Partei von Ministerpräsident Erdogan an die Macht kam, ist auch das politische Verhältnis zu Jerusalem immer frostiger geworden. Erdogans „multidimensionale Außenpolitik“ ist eine Gratwanderung. Bricht die Türkei nun mit Israel, wendet sie sich vom Westen ab und tauscht sie die zunehmend ungewisse EU-Perspektive ein gegen ein Bündnis mit dem Iran, Syrien und Russland, in dem sie die Rolle einer regionalen Führungsmacht spielen könnte?

Noch geben in der türkischen Regierung die gemäßigteren Stimmen den Ton an. Sie wissen: Die Türkei kann die angestrebte Rolle einer Regionalmacht nur mit den USA ausfüllen, nicht gegen sie. Und das schließt den offenen Bruch mit Israel aus.

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