Der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling würdigte zwar wie versprochen die Gesprächsbereitschaft der Angeklagten, ließ aber auch nicht außer Acht, worum es in diesem Verfahren eigentlich ging: um die Vorbereitung zum Massenmord. Fritz Gelowicz und seine Komplizen selbst gaben bereitwillig Einblick in ihre Pläne. Dass sie es ernst meinten, beweisen die Abhörprotokolle. „Die Welt wird brennen“, jubelten sie.
Dass sie so umfassend auspackten und am Ende Reue bekundeten, spricht für das Verhandlungsgeschick des Vorsitzenden Richters. Doch mit diesem fast versöhnlichen Prozessfinale ist die Gefahr islamistischen Terrors in Deutschland keineswegs gebannt. Während der Hauptangeklagte Fritz Gelowicz in Düsseldorf seine Abkehr vom Terror bekundete, sammelte seine Frau Filiz Geld für die Terrororganisation „Islamische Dschihad Union“. Das gibt zu denken.
Globalisierung des Terrors
In Internetforen wird weiter für den „Heiligen Krieg“ geworben, und Richter Breidling hat sicher recht, dass die menschenverachtenden Botschaften auch in Deutschland nach wie vor auf fruchtbaren Boden fallen. Dies gilt umso mehr, nachdem der Bundestag jetzt entschieden hat, den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan auszuweiten – genau dies nämlich wollten die selbst ernannten „Gotteskrieger“ mit ihrer Anschlagsserie verhindern. Gelowicz hat dem Gericht in aller Deutlichkeit berichtet, dass es aus Sicht von Al Qaida und ihren Verbündeten wirkungsvoller ist, die „Ungläubigen“ in Deutschland zu treffen als in Afghanistan. Und es ist nicht auszuschließen, dass auch künftig Islamisten aus Deutschland eine Ausbildung im Terrorcamp in Pakistan und anderswo durchlaufen und mit Massenmordplänen zurückkehren.
Dabei sind weite Reisen gar nicht mehr nötig: Die Globalisierung des Terrors hat mit dem Internet erschreckende Formen angenommen. Wie sich im Sauerland-Prozess zeigte, berauschen sich heute Islamisten in deutschen Wohnstuben daran, wie etwa US-Soldaten im fernen Irak der Kopf abgeschlagen wird. Das Düsseldorfer Verfahren zeigt, dass besonders Konvertiten für die militanten Propagandabotschaften empfänglich sind. Fritz Gelowicz und Daniel Schneider, die beide aus bürgerlichen Verhältnissen stammen, aber unter der Scheidung ihrer Eltern litten, suchten Halt und Orientierung in einer autoritären Gemeinschaft mit extrem verengter Weltsicht. Gerade in Zeiten der Krise, wenn die klassischen Werte ins Wanken geraten, wächst die Verführungskraft einfacher Antworten.
Kein Generalverdacht
Es ist ebenso erstaunlich wie bedeutsam, dass ein deutscher Konvertit zur Leitfigur einer fundamentalistischen Muslimgruppierung wurde. Der frühere Profiboxer Pierre Vogel, der sich selbst Abu Hamza nennt, distanziert sich zwar von jeder Form der Gewalt, attackiert aber mit plumpen Parolen und Verschwörungstheorien die „Feinde des Islam“ und heizt damit unter Gleichgesinnten die Stimmung an. Nicht ohne Grund nahm der niedersächsische Verfassungsschutz eine Braunschweiger Moschee ins Visier, der Vogel nahesteht und im Internet als „Einladung ins Paradies“ firmiert. Ein erst 15 Jahre alter Schüler tunesischer Herkunft, der in dem Konvertitenzentrum verkehrte, soll für die „Sauerland-Gruppe“ Sprengstoffzünder beschafft haben.
Verfehlt indessen wäre es, deutsche Muslime unter Generalverdacht zu stellen. Es ist gut, dass Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann mit seinen verdachtsunabhängigen Moscheekontrollen von Ministerpräsident Christian Wulff gestoppt wurde. Undifferenzierte Repressalien treiben den Hasspredigern nur neue Anhänger in die Arme und verschärfen damit das Problem. Die weitaus größte Mehrheit der in Deutschland lebenden Muslime hat mit Islamisten nichts im Sinn. Es muss daher alles getan werden, sie unter Wahrung ihrer kulturellen Identität noch mehr in die deutsche Gesellschaft zu integrieren.
Auch in dieser Hinsicht geht von dem Düsseldorfer Prozess ein positives Signal aus. Dem Gericht ist es gelungen, die anfangs so verhärteten Fronten aufzulösen und die Protagonisten des Terrors zur Umkehr zu bewegen. Zugleich macht das Urteil aber eben auch unmissverständlich die Grenzen deutlich. Das ist gut so. Doch die abschreckende Wirkung dürfte sich in Grenzen halten. Im weltweiten Terrornetz werden Urteile dieser Art vermutlich von anderen Botschaften übertönt.
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