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Paul Kreiner zur Seligsprechung

Kein Wunder


Benedikt XVI. kann das Provozieren nicht lassen. Den Weg freizugeben für die Seligsprechung von Pius XII., das war nicht nötig. Es bleibt in der Unsicherheit über die historische Bewertung dieses Papstes gerade gegenüber den Juden eine heikle Sache.

Den Forschern der Welt sind die vatikanischen Archive aus dem Pontifikat Pius’ XII. noch immer versperrt, angeblich, weil sie für eine Nutzung zu wenig geordnet und erschlossen sind. Die Kurie indes hat sich von dieser Unübersichtlichkeit nicht daran hindern lassen, ihr Urteil zu fällen: Pius XII., der zum Holocaust geschwiegen, in der Not aber die Türen römischer Klöster für Tausende Juden geöffnet hat, ist über jeglichen Zweifel erhaben.

Es war wohl die Schärfe der Kritik von außen, die eine solche Schutzreaktion provoziert hat. Der Jesuit Peter Gumpel als Anwalt Pius’ XII. im Seligsprechungsprozess bezeichnet die Kritiker als „Kommunisten, Freimaurer, Kirchenfeinde, die gegen den Heiligen Vater agieren“. Sogar von einer Art jüdischer Erpressung gegen Benedikt XVI. hat er schon gesprochen. Es gibt Anzeichen dafür, dass in der Kurie ähnliche Gedanken umgehen – und dass man ihnen mit einem umso trotzigeren „Jetzt erst recht“ meinte begegnen zu müssen.

Papst Benedikt XVI. hat das Seligsprechungsdekret für Pius XII. mit dem für Johannes Paul II. verbunden, um es optisch aufzuhellen. Dabei gibt es einen großen Unterschied zwischen den beiden: Der eine ist ein Volksheiliger, den anderen wollte nur die Kurie. Vielleicht liegt’s ja auch an Pius’ fehlender Verehrung im Kirchenvolk, dass zu seiner endgültigen Seligsprechung noch etwas Entscheidendes fehlt: ein Wunder. Die Kurie wird nun mit der – voraussichtlich langwierigen – Suche danach beginnen.

von Paul Kreiner

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