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Ulrich Neufert
Ulrich Neufert zu Sigmar Gabriel

Koch und Kellner

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Die SPD ist atemlos. Nach der Niederlage gönnte sie sich nur eine kurze Pause, um den Schmerz zu unterdrücken. Danach preschten die Mitglieder des Rudels durch das Unterholz, bissen den einen weg, rotteten sich um den anderen zusammen und einigten sich vorerst auf einen neuen Leitwolf.

Noch nicht endgültig, aber vorläufig. Sigmar Gabriel ist fast am Ziel. Wenn er tatsächlich in sechs Wochen zum neuen Bundesvorsitzenden der SPD gewählt werden sollte, hätte er für sich das Beste aus der Wahlniederlage herausgeholt. Ob diese Personalie am Ende gut für die SPD wäre, ist längst noch nicht ausgemacht. Fest steht nur: Sie ist gut für Gabriel und gut für Journalisten, denen Gabriel als Garant für politische Unterhaltung gilt. Der „Sigmarist“ aus Goslar, wie ihn Noch-Parteichef Franz Müntefering nannte, kann Brillantfeuerwerk und Kopfnuss, und er traut sich alles zu.

Diese Eigenschaften sind unwiderstehlich, wenn man am Boden liegt. Sie können jedoch auch zu einer Belastung werden. Wenn es Gabriel nicht gelingt, sich zu disziplinieren, wird er in den eigenen Reihen so viel Verwirrung stiften, wie er dies in seinen Regierungsjahren als niedersächsischer Ministerpräsident geschafft hat. Hier liegt das Risiko der Personalentscheidung: Gabriel ist dann besonders gut, wenn er nicht die letzte, sondern die vorletzte Instanz ist. Als Parteivorsitzender der SPD, selbst als Parteivorsitzender einer gedemütigten SPD, hätte er niemanden mehr über sich, außer Papst (um mit Müntefering zu sprechen).

Frank-Walter Steinmeier wird das schneller erfahren, als ihm lieb ist. Wenn Gabriel Parteichef geworden ist, werden sich die Abhängigkeitsverhältnisse schnell wandeln. Dann bestimmt er, wer Koch ist und wer Kellner.

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