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Matthias Koch über Margot Käßmann

Kommentar: Aufgefangen im Fall

Von Matthias Koch

Wie keine zweite Repräsentantin der Evangelischen Kirche in Deutschland kann Margot Käßmann durch öffentliche Auftritte Zuhörer beeindrucken. Die Frau aus Hannover kann klarer analysieren als andere, sie kann klarer formulieren, und sie kann deshalb auch Zweifelnde eher überzeugen.
Margot Käßmann

Margot Käßmann

© dpa

Es mag makaber klingen, aber es ist wahr: All diese Stärken wurden auch in der Stunde deutlich, in der sie ihren Rücktritt erklärte. Niemand hatte, bevor Käßmann selbst das Wort ergriff, die Unmöglichkeit eines Weitermachens in ihrer herausgehobenen Position so einleuchtend auf den Punkt gebracht.

In der Tat hatte sie mit ihrer Trunkenheitsfahrt die Freiheit verloren, auf nationaler Ebene „ethische und politische Herausforderungen zu benennen und zu beurteilen“. Ausdrücklich erwähnte Käßmann gestern auch die Debatte um Afghanistan: „Die harsche Kritik etwa an einem Predigtzitat wie ,Nichts ist gut in Afghanistan‘ ist nur durchzuhalten, wenn persönliche Überzeugungskraft uneingeschränkt anerkannt wird.“

Risiken jenseits der roten Linie

Die Kritik, von der Käßmann spricht, kam damals nicht von irgendeiner kleinen Minderheit im Parlament, sondern aus den Reihen von Union, FDP und SPD. Wer den Einsatz des Westens nicht wolle, holzten Abgeordnete der Union, der müsse eben hinnehmen, dass Afghanistan den Terroristen ausgehändigt werde. Unvergessen bleibt auch, wie seinerzeit der sozialdemokratische Außenpolitiker Hans-Ulrich Klose giftete, die Bischöfin vertrete „die Position der Linkspartei“.

Zwar beeilten sich die stets konsensbeflissenen Merkels, Steinmeiers und Wulffs, sich in einer Mischung aus Weisheit und Kalkül schützend vor Käßmann zu stellen: Natürlich habe die EKD-Ratspräsidentin das Recht, den Afghanistaneinsatz zu kritisieren, hieß es nun unisono. Zugleich aber ahnten alle Beteiligten: Käßmann hatte eine unsichtbare rote Linie überfahren, die zwischen Kirche und Politik in Deutschland verläuft. Politiker und Kirchenführer sprechen zwar gern von Dialog, doch im Grunde will man nicht, dass die anderen einem zu nahe treten. Die Kirchen lassen sich nicht gern Tipps von der Politik geben. Noch weniger gut können Politiker es ertragen, wenn Kirchenleute so tun, als bräuchte die Politik dringend Einschätzungen von kirchlicher Seite, um bei diesem oder jenem Thema zur Vernunft zu kommen.

Heute weiß Käßmann: Hätte sie nicht zuvor diese politische rote Linie überfahren, wäre auch die nächtliche Missachtung einer Ampel in Hannover unter Alkoholeinfluss nicht ganz so brisant gewesen. Zu diesem Zeitpunkt aber hatte sich die Bischöfin auf nationaler Ebene bereits viel Aufmerksamkeit verschafft – und einen einflussreichen Kreis von Kritikern und Gegnern. Mancher von denen hätte in Zukunft die Gelegenheit genutzt, sie zu attackieren, sie vielleicht auch lächerlich zu machen. Deshalb war ihr Rückzug aus der nationalen Ebene ein gut begründeter Schritt.

„Bischöfin der Herzen“ in Hannover

Dass Käßmann auch ihr Amt als Landesbischöfin aufgibt, erscheint vielen übertrieben. Aus ihrer Sicht mag es konsequent sein. So oder so riefen einige Hannoveraner sie, die jetzt nur noch Pastorin sein will, am Mittwoch bereits zur „Bischöfin der Herzen“ aus.

Emotional kann sich Käßmann mitten in ihrem Fall aufgefangen fühlen. In ihrer Rücktrittserklärung zitierte sie einen Satz, der ihr schon in anderen Krisen Halt gab: Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand. Doch in Hannover gibt es für sie noch ein zusätzliches, ein ganz und gar irdisches Netz, auf das sie rechnen kann. Davon künden die vielen kleinen Signale aus dem einfachen Kirchenvolk, die Zuschriften und Blumen, die Käßmann bekommt, aber auch der ihr gegenüber weiterhin betont freundliche Grundton, der bei Umfragen unter Passanten auf der Straße ebenso zu spüren ist wie bei Vertretern von Staat und Wirtschaft. Käßmann wird eine gefragte Gesprächspartnerin bleiben, auch auf nationaler Ebene.

Natürlich ist allerorten ein Stück Enttäuschung spürbar. Die mit so vielen Hoffnungen als neue oberste Repräsentantin der Evangelischen Kirche in Deutschland gestartete Frau aus Hannover erwies sich leider nicht als der rundum perfekte Mensch, das Super-Vorbild für alle. Doch wer ist das schon? Ob man die Wirtschafts- und Finanzwelt betrachtet, die Politik oder auch die katholische Kirche: Viele kämpfen da mit ihren ganz eigenen Schwierigkeiten. Im Fall Käßmann kommt eine oft unterschätzte Dimension von Vorbildlichkeit ins Spiel: Etwas Vorbildliches kann auch darin liegen, wie man mit einem Fehler umgeht.

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  • Dienstwagen der EKD Matthias Schneider – 28.02.10
    Wieso leistet sich die EKD eigentlich solche Luxuswagen. Ich dachte die Kassen der Kirchen sind leer. Man sollte vielmehr der Frage nnachgehen, ob sich die EKD von der Großindustrie sponsern lässt.
    Hat VW den Dienstwagen teilweise / oder ganz finanziert - was sagt die EKD dazu.
    2. Wurden die privaten Fahrten der Bischöfin und der anderen Bischöfe eigentlich wegen geldwertem Vorteil versteuert? Sie ist ja unstrittig in einem Dienstwagen bei einer Privatfahrt ertappt worden. Oder wurde hier auch Steuerhinterziehung betrieben?
  • rücktritt frau käßmann helmut gebhard wesel – 27.02.10
    daten schutz und privatsphäre.

    ich wundere mich , dass bei dem riesenwirbel, mit dem der fauxpas von frau käßmann in den medien hochgezogen wird, noch kein mensch, aber wirklich noch kein mensch , nach dem recht auf privatsphäre, die auch diese frau hat,gefragt hat.
    jeder bürger in unserer republik hat
    das recht auf den schutz seiner persönlichen daten .
    warum werden die gesichter von kriminellen in fernsehreportagen
    unkenntlich gemacht ???
    für mich müssen die beamten oder die behörde , die diesen vorgang an
    die öffenflichkeit gebracht haben,nach allen regeln der datenschutzvorschriften zur rechenschaft gezogen werden.
    wo ist den hier volkes stimme ?

    helmut gebhard
    wesel
  • Im Amte sid09 – 25.02.10
    Reallistisch gesehen hätte Frau...nicht einmal Bischof werden dürfen!
    Wenn man den Geboten Zeugniss Ablegt!
    Oder hab ich was verpasst?
    Ich glaube das mich Gott geschaffen hat.
    Und all den Kreaturen.
    Vernuft und alle Sinne gegeben hat.
    Güte und Barmherzigkeit zu denen die es von mir verlangen.
    kein Verdienst und keine Würdigkeit.
    Und deshalb hasse ich mein Leben.Moderner könnte es man Gestalten.Die Christenheit auf Erden,alles andere wäre Sünde!Seht Ihr das es eigentlich nur ein Weg hätte geben dürfen?Und wenn wir das gemacht hätten,sammt allen Gläubigen in Christo ein ewiges Leben geben wird,dass ist gewisslich wahr!Er sei unser rechter Vater und wir seine rechten Kinder,wie die lieben Kinder Ihren Vater bitten. Und wer anders lehrt und lebet,der entheiligt,behüte uns davor.Kommen wir zurück es waren 2 Personen die man sah laut Testament laut Wissenschaftlicher Erkenntnis seid Ihr noch nicht fündig oder?
    Petrus den Griechen er ist in der Neuzeit faktum das Prinzip ist jetzt was Glauben und die Größte Lüge der Geschichte betrifft,die Schattenseiten kenne ich mehr als jeder andere von euch,so lüge, ich,sprech ich die Wahrheit?Verachtung giebt mir Kraft zum Leben und zum Sehen.Nur schade das man alles versuchen würde um es nach Wahrheit aussehen zu lassen.Was spielt es in euren Augen für eine Rolle Was Recht und Unrecht ist.(keine)
  • Kommentar auchich – 25.02.10
    Herr Koch, vielen Dank für diesen Kommentar. Frau Käßmann wäre nicht Frau Käßmann, hätte sie diesen Schritt nicht getan. Ich wünsche ihr für die Zukunft sehr viel Kraft. Meine Hoffnung, die Medien werden sie nun für eine Weile in Ruhe lassen, wird sich wohl leider nicht erfüllen.
  • Käsmann Christel Funk – 25.02.10
    Ich hatte auch schon den Führerschein weg wegen zu schnellen Fahrens, aber das hat keiner mitbekommen. Wo ist hier der Datenschutz? Sie war abends eine Privatperson. Wer hat das Recht die Promillezahl zu veröffdentlichen?
  • Schein-(Upgrade)-Heiligkeit ohne Konsequenz M.J.S. – 25.02.10
    Zitat aus der HAZ vom 25.02., Seite 15:
    „Die CDU findet Käßmanns Rücktritt dagegen „Kosequent“. „Das würden wir uns vom mehr Verantwortungsträgern in unserer Gesellschaft wünschen“, sagt Fraktionschef Jens Seidel.“
    Danke Herr Seidel für diese klare Aussage. Aber wo ist die entsprechende Konsequenz Ihres Parteifreundes und Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen?
    Wie war das noch mit Hannover und den Eigentoren ;-))
  • Fall Käßmann Angelika C. – 25.02.10
    .....denn der Herr ist mit Euch bis ans Ende aller Tage.
    ob Ihr dessen bewußt seid oder nicht.
    Drum strebet immerzu hin zum Licht.
  • Fall Käßmann Angelika C. – 25.02.10
    ....denn der Herr ist mit Euch bis ans Ende aller Tage.
    ...ob Ihr dessen bewußt seid oder nicht.
    Drum strebet alle Zeit nach dem Licht.
  • kurzer Höhenflug - und fall ins soziale Netz gble – 25.02.10
    Als groben Verstoß gegen die Interessen des Arbeitgebers hätte wohl jedes Arbeitsgericht die Angelegenheit gesehen und einer Kündigung, wäre sie denn möglich, zugestimmt. Jeder andere Arbeitnehmer würde auch die Konsequenzen seines Handelns tragen müssen. Nun ist die Ärmste "nur noch" Pastorin, welch bedauernswerter Fall, erreicht sie doch damit "fast" die Armutsgrenze. Als mir nach 30 Jahren harter Arbeit für die evangelische Kirche in Hannover ohne Kommentar und ohne Ankündigung der Arbeitsplatz gekündigt wurde, bot man mir nicht einmal den Job eines Pförtners an. So ist es eben, es gibt doch Unterschiede - aber zu bedauern gibt es im Falle Käßmann sicherlich NIX !!
  • Danke,,, Hannover-Mitte – 24.02.10
    Danke, Herr Koch, für diese peinlich anbiedernde Verschwörungstheorie. Bei der HAZ gibt es wohl gar keine Qualitätskontrolle mehr. Käßmann ist weg und das ist gut so.
  • haz sid09 – 24.02.10
    Selbst Hier ist die Zensur.
  • Katohlik sid09 – 24.02.10
    In erster Linie,hätte Frau Käßmann niemals sich das Evangelium anschließen dürfen!
    Überwacht werden wir alle ohne Zweifel!
    Sie haben sogar Glück können Ihr Bekenntniss zu Gott weiter Praktizieren.
    Mich haben die Verbannt aus der Kirche.
    Wegen genau diesen Wahrheiten wofür ich mich den Glauben verschrieben habe.
    Keine 2.Chance bekommen bis zum heutigen Tage.(immer große Steine vorgelegt)
    Und das schlimme ist ich kann nichts anderes und will es auch nicht, mein Schiksal von Gott auf die Reise geschickt um die Wahrheit zu verkünden.
    Aber das Evangelium hat ja gute Arbeit geleistet was Verachtung,Schmerz,Todt,Krieg,Machtintressen bedeutet sieht jeder der nicht Blind und Taub ist.
    Ein Alter man sagte mir einmal schwöre Ab all denen die nach Macht Reichtum streben auf der Welt, denn Sie sind es die uns Unheil gebracht haben!!
    So stehts auch in den Schriften mache Sachen sind Unglaublich!!
  • Katholiken der Kirche und den anderen dieses Amtes. sid09 – 24.02.10
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