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Lars Ruzic zur Leiharbeit

Kurz gesprungen


Viel ist es nicht, was Ursula von der Leyen zur Leiharbeit eingefallen ist. Der sogenannte Drehtüreffekt, bei dem entlassene Beschäftigte bei derselben Firma als billigere Leiharbeiter neu anheuern, ist eine besonders ärgerliche Form des Missbrauchs – aber nicht die einzige und längst nicht die am meisten verbreitete.

Wenn Zeitarbeiter zur „Dauerleihgabe“ werden und ein Viertel weniger verdienen als der Kollege aus der Stammbelegschaft, hat das mit dem eigentlichen Zweck von Leiharbeit nicht mehr viel zu tun. Dann geht es allein ums Kostensenken.

Genau dafür ist die Zeitarbeit jedoch nicht gedacht. Sie dient zur Abfederung von Auftragsspitzen, als Puffer für schlechte Zeiten. Wer nicht sicher sein kann, dass er einen neuen Mitarbeiter auch in zwei Jahren noch brauchen wird, der soll Leiharbeiter einstellen – aber nicht derjenige, der eine Niedriglohngruppe durch die Hintertür einführen will. Zeitarbeit ist ein sinnvolles Instrument des vorsichtigen Kaufmanns, nicht aber des Gehaltsdrückers.

Das wird hinter vorgehaltener Hand auch von vielen Managern so gesehen. Selbst die Gewerkschaftsforderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit ist für viele Personalchefs kein rotes Tuch mehr. In so manchem Großkonzern ist sie sogar bereits Realität – etwa bei VW oder BMW. Die IG Metall will die Gleichbehandlung der Leiharbeiter bei den anstehenden Verhandlungen in der Stahlbranche sogar erstmals per Flächentarif regeln.

Es war die rot-grüne Bundesregierung, die die Zeitarbeit so weit liberalisiert hat, dass der Markt inzwischen so manche Verwerfung produziert hat. Es steht Schwarz-Gelb gut an, jetzt Korrekturen vorzunehmen. Doch so ist man wieder einmal zu kurz gesprungen.

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