Navigation:
HAZ-Shop AboPlus Online-ServiceCenter
Andreas Geldner über Afghanistan

Lautlose Erosion


War da was? Wer an die Schlagzeilen denkt, die die Veröffentlichung von Geheimdienstdokumenten zu Afghanistan gemacht hat, der kann nur verwundert registrieren, wie geräuschlos kurz darauf der Kongress weitere 36 Milliarden Dollar für den dortigen US-Einsatz bewilligt hat. Die Abgeordneten des Repräsentantenhauses hatten nicht einmal Lust auf eine Debatte und winkten das Haushaltsgesetz im Eilverfahren durch.

Überraschend ist das nicht: Zur Misere des Krieges am Hindukusch ist alles gesagt, da haben die neuen Dokumente nur zusätzliche Facetten geliefert. Es ist in den USA zudem höchst unpopulär, als Abgeordneter dazustehen, der womöglich dafür verantwortlich ist, dass eigene Truppen darben müssen. Ein Nein zum Militärbudget ist selbst für manchen Kriegsgegner nur ein letztes Mittel. Dennoch ist der Erosionsprozess bei den Demokraten unverkennbar. Doppelt so viele wie 2009 stimmten beim Budget für die Militäreinsätze in Afghanistan und im Irak mit Nein. Beim längsten Krieg der amerikanischen Geschichte gibt es keine spektakulären Zäsuren, aber andauernde Zermürbung.

US-Präsident Obama ist dabei in einer Situation, die er wohl nach den Zwischenwahlen zum Kongress im November öfter erleben wird: Seine Politik kann er nur noch mit Unterstützung der Republikaner durchsetzen – und die werden ihm dafür die Rechnung präsentieren. Dass Obama derjenige ist, der den Irak-Krieg beendet hat, ist in den Augen der Öffentlichkeit längst vergessen. Er steckt heute tief im afghanischen Sumpf.

Andreas Geldner

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel
  • Afghanischer Sumpf ctheiss – 29.07.10
    Die vielen schmutzigen Details, die WikiLeads veröffentlicht hat, gehören bei der weit überwiegenden Mehrheit in den USA offensichtlich zum normalen Kriegsalltag.

    In einer Nation, die immer noch an der Todesstrafe festhält und der beim Kampf gegen den Terror im Namen der nationalen Sicherheit nahezu jedes Mittel recht ist, sind gezielte Tötungen von Verdächtigen ohne Richter, ohne Urteil und ohne Beweise kein Grund zur Aufregung.

    Und das beim Einsatz von Drohnen auch Unbeteiligte getötet werden, die das Pech hatten, sich in der Nähe aufzuhalten, wird als Kollateralschaden billigend in Kauf genommen.

    Die milliardenteure Truppenaufstockung wird das Blatt nicht wenden, sondern nur weitere Vergeltungsschläge provozieren.

    Obama stellt gerade fest, wie es ist, George W. Bush zu sein.

    Wenn nicht bald eine politische Lösung des Konflikts gefunden wird, ist das Desaster vorprogrammiert.

    Nicht nur Obama steckt im afghanischen Sumpf - das gleiche gilt für seine Verbündeten.

HAZ-Leserbriefe

Leserbriefe

Sie möchten einen Leserbrief an die HAZ-Redaktion senden? Dann nutzen Sie unser Formular für Leserbriefe. Wir freuen uns über zahlreiche Zuschriften.

Anzeige

Auf dem Laufenden: Laufblog

Auf dem Laufenden: HAZ-Redakteur Norbert Fettback (rechts) und Journalist Frerk Schenker verbinden in ihrem Blog die Themen „Laufen" und „Hannover" – mit Tipps zu Trainingsstrecken und Wettkämpfen sowie skurrilen Geschichten aus dem Läuferalltag.

Die beiden HAZ-Redakteure Norbert Fettback (links) und Frerk Schenker verbinden in ihrem Blog die Themen „Laufen" und „Hannover".

96 – Nie mehr 2. Liga: Roter Blog

Alte Liebe: Die HAZ-Sportexperten Heiko Rehberg und Volker Wiedersheim schreiben gemeinsam am Roten Blog, also über Fußball im Allgemeinen, die 1. Bundesliga im Besonderen und Hannover 96 im ganz Besonderen.

Die HAZ-Sportexperten Heiko Rehberg und Volker Wiedersheim schreiben über Fußball im Allgemeinen und Hannover 96 im ganz Besonderen.

Eishockey-Hauptstadt Nummer 1: Eisblock

Björn Franz schreibt den Eisblock.

HAZ-Sportredakteur Björn Franz berichtet im „Eisblock“ über seine persönlichen Erlebnisse bei den Hannover Scorpions und dem EC Hannover Indians.

HAZ-Forum

Reden Sie mit: Diskutieren Sie im HAZ-Forum mit anderen Lesern – über die brandheißen Themen aus der Region oder die aktuelle politische Entwicklung in der weiten Welt.

Reden Sie mit: Diskutieren Sie im HAZ-Forum mit anderen Lesern – über die Themen aus der Region oder aktuelle politische Entwicklung.



Top