Weder sind die Taliban geschlagen, noch ist es der Administration von Präsident Hamid Karsai gelungen, sich einen seriösen Ruf zu erarbeiten. Das Land leidet unter anhaltender Gewalt, grassierender Korruption und mangelnder Staatlichkeit. Kann man angesichts dieser zerrütteten Verhältnisse über Investitionsprojekte ernsthaft nachdenken und Profite kalkulieren? Ja, man kann.
Die Aussicht auf seltene Rohstoffe könnte der Schlüssel zur Lösung diverser Probleme sein. Nur wenn es vernünftige Perspektiven gibt, steigen die Chancen, dass Afghanistan endlich zur Ruhe kommt. Eines der Zauberwörter heißt Lithium. Dieses Leichtmetall, das die Hightechindustrie für Akkus und Laptops so dringend benötigt, ist das Gold der Zukunft. Auch Eisen, Kupfer und Kobalt erzielen hohe Preise. Dass der Abbau dieser Schätze in Afghanistan erst in den Kinderschuhen steckt, lässt Geldgeber in aller Welt aufhorchen. Ihr Engagement könnte religiösen Fanatikern den Boden entziehen. Der vagen Aussicht auf einen Gottesstaat könnten die Investoren konkrete Jobangebote entgegensetzen. Nach jüngsten Berechnungen spricht einiges dafür, dass sich die Bergbauindustrie zum Rückgrat der afghanischen Wirtschaft entwickeln könnte – wenn die Waffen schwiegen.
Neu sind diese Erkenntnisse nicht. Sowjetische Geologen hatten bereits in den achtziger Jahren das erhebliche Potenzial der scheinbar so unwirtlichen Region erkannt. Afghanistan verfügt über enorme Naturschätze und besitzt darüber hinaus eine gewisse Bedeutung als Handelsroute sowie als Transitland für Pipelines. Grund genug, um in Zentralasien Krieg zu führen, sind Lithium, Kupfer und Eisen nicht. Aber die Gewinnaussichten lassen die Friedenschancen steigen.
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