Das ist ziemlich absurd – und dennoch hat die Konferenz im Eiltempo Ergebnisse vorzuweisen.
Spätestens seit Weihnachten, als ein im Jemen ausgebildeter Attentäter versucht hatte, eine US-Verkehrsmaschine vor der Landung in Detroit zu sprengen, steht der Jemen international im Fokus. Die jemenitische Regierung bewegt sich im Kampf gegen die Al-Qaida-Terroristen auf unsicherem Boden: Sie muss die US-Regierung davon überzeugen, dass sie es mit dem Kampf gegen Al Qaida ernst meint, gleichzeitig muss sie aber der eigenen skeptischen Bevölkerung beweisen, dass sie keine Marionette Washingtons ist.
Was aber genau derzeit an amerikanisch-jemenitischer militärischer Zusammenarbeit unterhalb einer direkten US-Militärintervention läuft, ist unklar. Die jemenitische Regierung verfolgt eine Politik der gezielten Tötung von Al-Qaida-Funktionären – und bekommt dabei zumindest technologisch Unterstützung von den USA. Es gibt derzeit eine Menge widersprüchlicher Meldungen, wie erfolgreich diese Politik ist.
Das Terrorismus-Problem im Jemen kann militärisch allerdings kaum gelöst werden. Aber es gibt eine Alternative – und die heißt Wirtschaftshilfe. Ahmed bin Ahmad al-Misri, Gouverneur der Ayban-Provinz, in der Al Qaida eine Hochburg hat, hat einen interessanten Vorschlag gemacht: Er möchte jene Stämme, die den Al-Qaida-Leuten Unterschlupf gewähren, schlichtweg kaufen. Seine Rechnung ist einfach: Al Qaida gibt den Stämmen derzeit finanzielle und praktische Unterstützung und versucht seine Leute in die Stämme einzuheiraten, um so ein verwandtschaftliches Band herzustellen. In diesen Stammesgebieten muss der Staat in Konkurrenz zu Al Qaida treten – und im Zweifelsfall schlicht mehr Geld investieren.
Das Konzept könnte funktionieren. Gut, dass sich die Londoner Konferenz nicht nur mit Terroristen, sondern auch mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Jemen beschäftigt hat. Hier liegt der Schlüssel zu allem.
Karim El-Gawhary
HAZ.de Anmeldung