Wer die militärischen Machtverhältnisse im Nahen Osten betrachtet, kann zu einer einfacheren Erklärung gelangen: Washington registriert mit wachsender Sorge das nervöse Agieren der israelischen Regierung – im Wissen, wie unheilvoll es sein kann, wenn eine Atommacht nervös wird.
Zeichen dieser Nervosität gibt es zuhauf. Israels Reaktionen auf das militärische Muskelspiel des Irans deuten darauf, dass in Tel Aviv die Versuchung wächst, der iranischen Bedrohung per Präventivschlag zu begegnen. US-Generalstabschef Michael Mullen fühlte sich jetzt sogar als Gast im Heiligen Land bemüßigt, vor genau diesem Schritt zu warnen.
Gewiss hat Israel reichlich Anlass für Nervosität: Der Iran hat Israel mehrfach das Existenzrecht abgesprochen, arbeitet an weitreichenden Raketensystemen und hat sich jetzt offen zur Atommacht erklärt. Aber Nervosität kann einer erfolgreichen Diplomatie ebenso im Wege stehen wie militärische Protzereien. Besser ist es schon, dass auch Israels Premier jetzt versucht, die Front sanktionsbereiter Mächte zu schließen. Nur wenn außer dem Westen auch Moskau und Peking statt auf Rüstungsgeschäfte mit Teheran auf schärfere Sanktionen setzen, wird in Israel die Nervosität sinken und die Zuversicht wachsen, dass sich die iranische Gefahr mit diplomatischen Mitteln bändigen lässt.
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