Christean Wagner, der frühere Stadtdirektor von Holzminden, der den Stein gegen die Parteichefin ins Rollen brachte, zählt zum stramm konservativen Flügel der Hessen-CDU. Dort pflegt man bis heute ein klares Freund-Feind-Bild. Wagner ist sozusagen ein alter Haudegen, der zwar Respekt genießt – aber nicht für die Zukunft der Partei steht.
Merkel und ihr engster Führungszirkel wären allerdings schlecht beraten, wenn sie die kritische Wahlanalyse der Landespolitiker ebenso folgenlos abheften würden wie all die anderen Brandbriefe, die die Parteizentrale in den vergangenen Wochen erreichten. Die Basis will endlich wissen, woran sie mit ihrer Führung ist. Wie lautet das große Ziel, für das die Partei in den kommenden Jahren streiten soll? Ein einfaches „Weiter so“ dürfe es nach dem schlechten Wahlergebnis von 2009 nicht geben.
Unbestritten ist: In der Wirtschafts- und Finanzkrise hat sich Merkel als Feuerwehrkraft bewährt, die im Zweifelsfall über Nacht weitreichende Entscheidungen fällen kann. Aber in der Partei wächst die Sehnsucht nach grundsätzlicher Orientierung. Dass nun ausgerechnet FDP-Chef Guido Westerwelle in die Bresche springt und in Anlehnung an Helmut Kohl für eine „geistig-politische Wende“ wirbt, erscheint manchem gestandenen CDU-Mitglied geradezu irrwitzig.
Das überbordende Selbstbewusstsein der Liberalen steht in einem seltsamen Kontrast zum Dauerschweigen der Kanzlerin. Merkel ist ihrer Partei eine Antwort schuldig.
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