Dürren, Hungersnöte, Überschwemmungen: Die Szenarien, die Klimaforscher den Entwicklungsländern für den Fall einer weiteren Erderwärmung prophezeien, sind dramatisch. Die Betroffenen selbst sehen sich als Opfer. Sie selbst haben in den letzten Jahrzehnten kaum zum Klimawandel beigetragen, leiden aber am meisten unter seinen Folgen. Ihre Unterhändler fordern deshalb, dass sich die Industrienationen auf eine Reduzierung der Treibhausgase um 40 Prozent festlegen. Zudem soll der Norden zahlen: Allein Afrika fordert Geldtransfers in Höhe von 60 Milliarden Dollar pro Jahr; ab 2020 sollen es 100 Milliarden sein.
Ohne Streit wird es nicht abgehen. Die Afrikaner bestehen darauf, dass die Industriestaaten das von ihnen verursachte Problem nun auch gefälligst lösen. Die Staaten der Dritten Welt können es sich auch gar nicht leisten, die Schäden zu beheben, wenn die Erderwärmung ihre Küsten erodiert, die Schädlingsausbreitung begünstigt und zu immer extremeren Wetterlagen führt. Ein Großteil der Anpassung wird allerdings bereits von den Industrienationen finanziert.
Mit einigem Recht verweist der Westen andererseits darauf, dass die Entwicklungsländer ihre Verantwortung nicht komplett auf die Industriestaaten abwälzen können. Schließlich deuten Studien darauf hin, dass die Entwicklungsländer ihrerseits schon in zehn Jahren für bis zu 40 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sein könnten. Da ist Vorsorge aus eigener Anstrengung gefordert.
von Wolfgang Drechsler
HAZ.de Anmeldung