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Klaus von der Brelie über die NATO

Realistisch bleiben


Am Montag in Brüssel, gestern in Edinburg – in der Nato wird in diesen Tagen viel über den schwierigen Einsatz in Afghanistan geredet. Dabei ist eine ganze Menge Wunschdenken im Spiel, manchmal wird sogar der Anschein erweckt, das Ende der Mission könne schon im kommenden Jahr eingeläutet werden.

Tatsächlich gibt es im Norden des Landes einige beruhigte Zonen, die Hoffnung machen. Doch es bleibt ratsam, sich an der Realität zu orientieren. Und die ist, wenn man Afghanistan als Ganzes betrachtet, ernüchternd.

Die afghanische Armee ist noch lange nicht in der Lage, ohne fremde Hilfe die Sicherheit am Hindukusch zu gewährleisten. Von der afghanischen Polizei ist noch weniger zu erwarten. Auch die obskuren Milizen, die jetzt in Teilen Afghanistans gegen radikale Islamisten kämpfen, können die Schutztruppe Isaf nicht ersetzen.

Es ist nachvollziehbar, dass Politiker in Europa und den USA über Kriterien für einen Rückzug nachdenken. Gestiegene Opferzahlen bei den Amerikanern und den Briten beflügeln solche Überlegungen. Doch niemand will den Einsatz auf halbem Wege abbrechen. Deshalb sollte die Kraft zunächst darauf konzentriert werden, gemeinsam mit dem größten Truppensteller, den USA, ein überzeugendes Konzept zu entwickeln und in die Tat umzusetzen. Präsident Obama hat sich hier selbst eine Bringschuld auferlegt. Seit Wochen werden im Weißen Haus neue Strategien hin und her gewälzt. Sobald Obama seinen künftigen Kurs definiert hat, sollte die von Kanzlerin Merkel vorgeschlagene Afghanistan-Konferenz stattfinden. Dann kann die Nato Solidarität und Entschlossenheit demonstrieren. Vorher ist vieles nur Spekulation, die niemandem nützt.

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