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Klaus Wallbaum über Dieter Althaus' Rücktritt

Reif fürs Kabarett

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Wenn es eines letzten Beweises bedurft hätte, wie wenig strategisches Geschick der zurückgetretene Thüringer Ministerpräsident Dieter Althaus noch besitzt, so hat er ihn gestern selbst geliefert. Plötzlich tauchte er in der Kabinettssitzung auf und gab hinterher eine Pressekonferenz. Alle Welt sollte wissen: Noch ist Althaus da, noch ist er der Ministerpräsident.

Die Thüringer Landespolitik, vor allem seine eigene Partei, hat die Überraschungsaktion von Dieter Althaus anders interpretiert: als seine Ankündigung, in den offenen Personalfragen mitreden zu wollen. Damit beschleunigte der scheidende Ministerpräsident ungewollt die Festlegung auf Christine Lieberknecht als seine Nachfolgerin. Dass dies das eigentliche Ziel von Althaus gewesen wäre, kann niemand behaupten. Eher war es ihm im Gegenteil darum gegangen, Lieberknecht zu verhindern. Aber der Vorgang zeigt eben, wie sehr Althaus das politische Gespür schon abhanden gekommen ist.

Für die CDU ist der Althaus-Auftritt tatsächlich ein Segen. Je eher sich die Partei auf Lieberknecht festlegt, desto zielstrebiger können die Koalitionsgespräche mit der SPD geführt werden – und desto eher haben die Christdemokraten eine Chance, einen möglichen Trend in der SPD zugunsten von Rot-Rot zu stoppen.

Im eigenen Interesse hingegen sollte Althaus sich Auftritte wie den gestrigen künftig besser verkneifen. Sonst droht der 51-Jährige, der einst als „Hoffnung aus dem Osten“ in der CDU gehandelt wurde, vollends zum Gespött zu werden. Er regiere nicht, sondern führe sein Amt weiter, erklärte der Regierungschef gestern allen Ernstes. Das ist reif für das Kabarett.

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