Das ist zwar genau das Ziel, das die friedliebenden Gaza-Aktivisten mit ihrer Aktion verfolgt haben. Aber am selben Tag sind auch die Anzeichen überdeutlich, dass keineswegs alle an Bord derart friedlich gestimmt waren. Das gerade vielerorts in so düsterer Glätte zusammengepinselte Bild vom brutalen Israel hat merklich Risse bekommen.
Sollten sich neue Berichte bewahrheiten, die jetzt über die Vorgänge an Bord bekannt werden, liegt Israels Fehler nicht in einem zu martialischen Vorgehen, sondern vielmehr umgekehrt in einer Unterschätzung der Gewaltbereitschaft einzelner Gaza-Aktivisten. Dann hätte Israels Armeeführung die Soldaten nicht mit Paintball-Waffen ausgestattet losschicken dürfen, sondern sie für einen knallharten Kampf rüsten müssen – vor dem sich alle noch einmal gefragt hätten, ob der Stopp dieser „Solidaritätsflotte“ ein Blutvergießen wirklich wert ist. Allerdings fällt die Antwort auf diese Frage nicht leicht. Denn an Bord der Schiffe waren mehr Waffen, als man arglos an Gazas Küste anlanden kann.
Gewiss, es wäre ein humanitärer Akt, die Gaza-Blockade aufzuheben. Doch solange Waffen aus diesem „Hamastan“ gegen Israel gerichtet werden, steckt nicht nur der jüdische Staat im Zielkonflikt. Auch die Weltgemeinschaft muss eine Antwort auf die Frage finden, wie Nachteile der Blockade für Gaza zugleich mit Nachteilen ihrer Aufhebung für Israel vermeidbar sind. Aus diesem Dilemma bieten Worthülsen keinen Ausweg. Nötig ist vielmehr eine neutrale Überwachungsinstanz. Dass die erfolgreich sein kann , ist längst erwiesen – durch den Einsatz der Bundesmarine vor der Küste Libanons.
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