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Jörg Kallmeyer zur Schulreform

Schritt für Schritt

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Und die Welt bewegt sich doch: Langsam, ganz langsam passt die schwarz-gelbe Landesregierung in Niedersachsen ihre Schulpolitik den Tatsächlichkeiten an.

Weil vielen Hauptschulen nach der Massenflucht der Schüler die Schließung droht, wird die Zusammenarbeit mit den Realschulen erleichtert. Vor ein paar Jahren noch war die Zusammenlegung der Schulformen ein heftig verteidigtes Tabu, jetzt feiern die gleichen Politiker die Kooperation als pragmatisches Signal. So reden Bildungspolitiker, die keine andere Wahl mehr haben. Oder ratlos sind.

Tatsächlich hat man anderswo die Zeit genutzt, auf eine ohnehin nicht zu stoppende Entwicklung intelligent zu reagieren. Der Osten Deutschlands verzichtete ganz auf die Hauptschule – und wurde beim jüngsten Test mit guten Noten für die neue „Sekundarschule“ belohnt. In Rheinland-Pfalz gibt es die „Realschule plus“. In Berlin und Hamburg stand die CDU mit an der Spitze der Bewegung, als es darum ging, Wege jenseits des streng dreigliedrigen Schulsystems zu finden.

In Niedersachsen muss man jetzt einen neuen Schritt machen, ohne ein echtes Ziel vor Augen zu haben. Allein die Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen macht aus einem schwachen noch keinen starken Schüler. Es fehlt das inhaltliche Konzept für die neue Schule: Wie sieht es aus mit der Förderung jedes einzelnen Schülers? Wie kann verhindert werden, dass unter einem Dach wieder eine Zwei-Klassen-Gesellschaft entsteht? Man könnte die neue Schulform auch kooperative Gesamtschule nennen – aber ganz so pragmatisch geht Schwarz-Gelb in Hannover denn doch nicht zur Sache.

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