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Mathias Philipp zum Loveparade-Unglück

Selbstschonung


Ein endgültiges und gerechtes Urteil über die Ursachen der Katastrophe von Duisburg wird man erst nach Abschluss der Ermittlungen fällen können. Und es ist angemessen, dass die Aufarbeitung des Loveparade-Desasters ohne politischen Streit begonnen hat.

Die neue Landesregierung hält sich öffentlich mit Schuldzuweisungen zurück. Das ist auch deshalb klug, weil Innenminister Ralf Jäger (SPD) in der Duisburger Stadtpolitik jahrelang der härteste Konkurrent von CDU-Stadtoberhaupt Adolf Sauerland war. Er will den Eindruck persönlicher Missgunst tunlichst vermeiden.

Aber dass andere ihn schonen, erlaubt dem Oberbürgermeister selbst noch lange nicht, sein Verantwortungsgefühl erst dann eingehend zu befragen, wenn offizielle Ergebnisse der Ermittlungen vorliegen (die wohl aus gutem Grund von Köln aus geführt werden). Dass es in Duisburgs Behörden mindestens katastrophale Fehleinschätzungen, wenn nicht grobe Fahrlässigkeit gab, ist kaum mehr zu bezweifeln. Um zu erkennen, dass der Tunnelzugang zum Güterbahnhof für Hunderttausende Menschen viel zu klein und eng ist, reicht der bloße Augenschein. Zudem belegen Dokumente und Aussagen von Polizisten und Feuerwehrleuten, dass monatelang über Sicherheitsbedenken diskutiert und gestritten wurde. Und da will der Chef der Verwaltung nicht verantwortlich sein? Merkt Sauerland nicht, dass er mit seiner Stammelei die Opfer verhöhnt? Er ist der Erste, der zurücktreten muss.

Damit allerdings wären Polizei und Landesbehörden nicht reingewaschen. Sie sind zu fragen, ob sie nicht energischer hätten versuchen müssen, überforderten und größenwahnsinnigen Lokalpolitikern in den Arm zu fallen.

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