Präsidenten regieren meist unauffällig und dürfen ihr Mandat zu Ende führen. Costa Rica ist ein Hort von Stabilität und relativem Wohlstand. Es ist in Lateinamerika eine beruhigend langweilige Ausnahme. Die Ausnahmestellung auf der schmalen Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika ist ein Lehrstück über staatliche Wohlfahrtspolitik nach europäischem Vorbild. Seit dem 19. Jahrhundert besteht Schulpflicht. 1948 schaffte die Regierung die Armee ab und steckte das Geld in Bildung, staatliche Fürsorge und die Schaffung von Staatsmonopolen zur Versorgung. 60 Jahre waren Energie, Telekommunikation, Versicherung, die einzige Erdölraffinerie und große Teile des Bankensystems sowie der Alters- und Krankenvorsorge in Händen des Staates, der die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftete. Diese Monopole haben Costa Rica bescheidenen Wohlstand beschert. Nur jeder Fünfte lebt in Armut, während in Lateinamerika sonst fast jeder Zweite zu wenig zum Leben hat. Nahezu überall fließt trinkbares Wasser aus den Hähnen, und fast überall gibt es einen öffentlichen Fernsprecher. Wer in einem solchen Umfeld groß wird, ist für populistische Versprechen, die mit einfachen Maßnahmen schnelle Hilfe versprechen, unempfänglich. Das hat sich auch bei der Wahl am Sonntag wieder gezeigt. Der Kandidat, der die durchaus steigende Kriminalität mit harter Hand in den Griff bekommen wollte, fiel bei den Wählern glatt durch. Die Costa Ricaner setzten lieber auf die Kandidatin, die keine schnelle Hilfe verspricht, dafür aber nachvollziehbare und rechtsstaatliche Konzepte vorlegt.
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