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Dietmar Ostermann zu McChrystal

Unrühmliches Ende


Barack Obama hatte keine Wahl. Ein General, der mit derlei abfälligen Bemerkungen die zivile Führung infrage stellt, ist nicht zu halten. Wie wollte Stanley McChrystal seinen Soldaten den Kampfauftrag eines Präsidenten noch erklären, gegen den er öffentlich pöbelt?

Hätte Obama seinen unbotmäßigen Afghanistan-Kommandeur im Amt belassen, hätte er Zweifel auch an der eigenen Autorität gesät. Der unrühmliche Abgang des Generals freilich löst für Obama nur eines von mehreren Problemen. An der bisherigen Afghanistan-Strategie will der US-Präsident festhalten. McChrystal-Nachfolger David Petraeus ist der Garant dafür.

Doch bislang zeitigt das im Dezember verkündete neue Konzept für Afghanistan kaum Erfolge. Immer wieder hatte Washington zudem widersprüchliche Signale gesetzt, welche Ziele es am Hindukusch verfolgt. Nur gut ein Jahr bleibt bis zum angekündigten Beginn des US-Rückzugs im Juli 2011. Was danach kommt, weiß niemand, weder Freund noch Feind.

McChrystal war überdies längst nicht der Einzige im Afghanistan-Team Obamas, der über Öffentlichkeit und Medien Intrigen spann. Der harte Soldat stellte sich dabei nur besonders ungeschickt an. Vielleicht wollte er sogar seinen Rauswurf provozieren. Bis hoch zu Vizepräsident Joseph Biden wird hinter den Kulissen mit harten Bandagen gespielt, um Einfluss gerungen. Kern des Problems sind nicht persönliche Animositäten, sondern grundlegende Differenzen über das weitere Vorgehen am Hindukusch.

Der Präsident will jetzt Ruhe und Geschlossenheit. Die Debatte über einen Krieg aber, den eine Mehrheit im Volk nicht mehr führen will, dürfte weitergehen.

Dietmar Ostermann

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