Schuld, Reue, Buße, Vergebung – auch höchst weltliche Skandale folgen im Grunde religiösen Denkmustern. Es hat fast eine unfreiwillige Komik, dass ausgerechnet der frühere Bischof Walter Mixa, der jetzt von seinem Rücktritt zurücktreten will, mit diesen Mustern nichts anfangen kann.
Mixa, der nach Prügelvorwürfen ehemaliger Heimkinder aus dem Amt geschieden war, hat der Kirche schwer geschadet. Ohrfeigen gehörten früher zu den gängigen Erziehungsmethoden. Doch anstatt die Schläge zuzugeben und die Geschlagenen um Verzeihung zu bitten, stritt Mixa alles ab. Just zu einem Zeitpunkt, als die Kirche wegen weit gravierenderer Missbrauchsfälle am Pranger stand, präsentierte er sich als selbstgerechter Patriarch – und bestätigte damit das Urteil all jener, die von der Kirche ohnehin nur Lügen, Beschönigen und Vertuschen erwarten.
Dass Mixa jetzt in sein Amt zurück will, zeugt von einem Realitätsverlust, der an die greise SED-Führung der untergehenden DDR erinnert. Kirchenrechtlich ist sein Vorstoß fast chancenlos, und für das Image der Katholiken ist er eine Katastrophe. Die Kirche steckt in der tiefsten Krise seit Jahrzehnten. Mühsam versuchen Bischöfe und Laien, verspielte Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Nichts können sie dabei so wenig gebrauchen wie unwürdiges Gezerre um einen Posten – zumal in den Sternen steht, wie Mixa als Hirte einer Herde begegnen will, die ihm nicht mehr vertraut. Dass es möglich ist, persönliche Reputation zurückzugewinnen, gerade indem man ein Amt aufgibt, hätte Mixa längst lernen können – am Beispiel von Hannovers Landesbischöfin Margot Käßmann.
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