Es reicht nicht mehr, mit dem Finger auf die Katholiken zu zeigen. Erstmals ist eine nicht kirchliche Schule betroffen; sie sieht sich auch noch in besonderer Weise dem Wohl des Kindes verpflichtet. Eltern zahlen in der privaten hessischen Odenwaldschule heute bis zu 2000 Euro im Monat, damit ihre Kinder eine ganzheitliche Entwicklung im Sinne der Reformpädagogik machen können. Die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs ausgerechnet an dieser Eliteschule könnten ein ganzes System erschüttern.
Für die Politik war es an der Zeit, die Zurückhaltung aufzugeben. Dass die Bundesbildungsministerin so offensiv auf die Vorwürfe reagiert, hat einen guten Grund: In Deutschland geht die Betreuung von Kindern immer mehr von der Familie in staatliche oder auch privat geführte Einrichtungen mit staatlicher Aufsicht über. Die Politik räumt dem Ausbau von Krippen für die Kleinsten Priorität ein; Schulen werden Schritt für Schritt zu Ganztagsschulen; Privatschulen und Internate boomen. Das öffentliche Erziehungswesen fußt auf dem Vertrauen der Eltern – sie müssen sich blind darauf verlassen können, dass es ihren Kindern in den Einrichtungen in jeder Hinsicht gut geht.
Nun muss gründlich geklärt werden, warum die staatliche Aufsicht den Skandal an der privaten Odenwaldschule in den achtziger Jahren nicht verhindern konnte. Und wichtiger noch: Reichen die staatlichen Vorgaben für diese Einrichtungen heute aus? Wenn nicht, dann muss das Verhältnis neu überdacht werden.
HAZ.de Anmeldung
Kommentare
Schafft die Kirche ab! Purgatorium – 10.03.10
Was ist das für eine Religionsgemeinschaft,die Ihre eigenen Kinder verprügelt, erniedrigt und sexuell mißhandelt?Die Kirche ist mehr als ein Sammelbecken pädophiler Kranker! Mehr als 2000 Jahre lang konnten sie sich unbehelligt austoben. Das reicht!!!
Die Justiz muss durchgreifen und in diesem System des Schreckens aufzuräumen!