Personen sind das eine, die Richtung ist das andere – beides hängt zusammen.
Die SPD ist zweigeteilt, nicht erst seit Sonntag. Auf der einen Seite stehen jene, die sich mit Hartz IV und Rente mit 67 nie abfinden mochten. Auf der anderen Seite jene, die sich gegen eine Abkehr von der Agendapolitik stemmen. Am Tag zwei ist klar, wer künftig stärker die Richtung bestimmt. Die Partei rückt nach links. Es wird auf- und abgeräumt.
In Nordrhein-Westfalen, wo im Mai gewählt wird, ist seit gestern eine rot-rot-grüne Koalition kein Tabu mehr. In Hessen fordern Genossen die Rückkehr der Linken Andrea Ypsilanti. Müntefering & Co., die am Wahlabend noch glaubten, sie könnten mit einsamen Beschlüssen wie ehedem „ihre“ SPD zum „Weiter So“ zwingen, sind hinweggefegt. Frank-Walter Steinmeier, ein ehrlicher Vermittler und kein Zuchtmeister, darf bleiben und die Fraktion führen – ohne Verzicht auf den Parteivorsitz wäre er wohl nicht gewählt worden.
Die „alten“ Strippenzieher müssen das Feld räumen – weil die Neuen längst die gleiche Kunst beherrschen. Im Eiltempo haben die Lager ihr Paket geschnürt. Der Posten des Generalsekreteärs – so der Vorschlag – fällt an die Linke Andrea Nahles, der Vorsitz geht an den mittigen Sigmar Gabriel, der in den vergangenen Jahren nie mehrheitsfähig war. Gabriel ist ein rhetorisches Kraftpaket mit reichlich Ehrgeiz. Seine Chance: Die SPD hat keine andere Wahl. Es gibt nur wenige, die sich als Retter beim havarierten Tanker SPD andienen.
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