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Heiko Rehberg zur Nationalmannschaft

Zum Verlieben

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Deutschland ist wieder frisch verliebt. Diesmal nicht in einen Eisbären namens Knut oder in eine Sängerin wie Lena. Deutschland ist verliebt in seine Nationalmannschaft, und das Schöne daran ist: Es handelt sich längst nicht nur um die zig Millionen Fußballfans im Land, die von 23 meist jungen Männern und ihrem Trainer begeistert sind.

Diese Deutschen, die bei der Weltmeisterschaft in Südafrika nach einem denkwürdigen und grandiosen 4:0-Sieg gegen die Fußball-Großmacht Argentinien im Halbfinale stehen, sind eine Mannschaft für Jung und Alt, für Frauen und Männer. Eine Mannschaft für alle. Eine Mannschaft zum Verlieben.

Die Fußballwelt staunt

Die Nationalelf lockt mit ihrem Gute-Laune-Fußball auch diejenigen Menschen vor die Fernsehschirme und Großbildleinwände, die bei Länderspielen normalerweise ins Schwimmbad gehen oder ins Kino. Sie schlägt Brücken und lässt in Deutschland Fans gemeinsam jubeln, die sonst den Klubs Hannover 96, Fenerbahce Istanbul oder Legia Warschau die Daumen drücken, weil sie im besten Sinne des Wortes ein Multikulti-Team ist. Und diese Mannschaft lässt in Südafrika den Rest der Fußballwelt staunen: Sind das wirklich deutsche Kicker, die brasilianischer spielen als die Brasilianer in ihren besten Zeiten? Beim 4:0 im Viertelfinale gegen Argentinien musste man sich bei dem einen oder anderen herrlich herauskombinierten Tor die Augen reiben, um anschließend erleichtert feststellen zu können: Brasilien trägt jetzt Schwarz-Rot-Gold.

Wer hätte das gedacht? Der Argentinier Lionel Messi, der Brasilianer Kaka, der Portugiese Cristiano Ronaldo und der Engländer Wayne Rooney, alles millionenschwere Weltklassespieler und Werbe-ikonen, die bei der WM vorgesehen waren für die Rolle des Superstars, sind mit ihren Mannschaften nur noch Zuschauer. Auf der Bühne, die für ihre große Fußballshow reserviert war, vergnügt sich einer wie Thomas Müller, ein 20-jähriger Bayer vom Ammersee, der nach Siegen freundlich in die Fernsehkamera fragt, ob er erst einmal „die beiden Omas und den Opa“ grüßen darf.

Nicht nur Oma Erna im Pfaffenwinkel ist stolz auf ihren Thomas, der gemeinsam mit Bastian Schweinsteiger, Mesut Özil, Miroslav Klose und all den anderen die ganze Nation verzückt. Wann hat man Bundeskanzlerin Angela Merkel zuletzt einmal so glücklich und losgelöst gesehen wie auf der Tribüne im Kapstadter „Green Point“-Stadion nach den deutschen Toren?

„Oh, wie ist das schön!“ Selten war der alte Stadion-Fanschlager so treffend wie nach dem 4:0 gegen Argentinien. Das war kein Sieg gegen Liechtenstein oder Australien, das war ein berauschender Erfolg gegen eine mit Weltklassekickern gespickte Mannschaft, herausgespielt mit einer Willenskraft und gleichzeitig einer Leichtigkeit, die selbst die kühnsten Optimisten verblüffen dürfte.

Der Erfolg hat Gründe

Es gab in der Vergangenheit WM-Turniere, da stand Deutschland im Finale, und keiner wusste genau, warum eigentlich: 1982 in Spanien zum Beispiel oder vier Jahre später in Mexiko. „Nicht schön, aber erfolgreich“ war das Motto, die anderen Nationen lästerten über den Rumpelfußball der deutschen Glücksritter. Deutschland 2010, die Generation Schweinsteiger, spielt schön und erfolgreich. Und die Konkurrenz applaudiert. Ein Fußballwunder?
Wunder sind nicht zu erklären, der Erfolg der deutschen Mannschaft dagegen hat Gründe, nach denen man gar nicht lange suchen oder es bei Erklärungsversuchen kompliziert machen muss: Deutschland hat nicht wie früher nur ein oder zwei herausragende Spieler, sondern eine ganze Reihe mit Müller, Schweinsteiger, Özil, Klose oder Philipp Lahm. Noch nie waren so viele Spieler so jung und besaßen ein derart großes technisch-taktisches Rüstzeug. Und die Nationalmannschaft hat mit Joachim Löw einen Bundestrainer, der aus den Spielern ein Team geformt hat, das in der Fußballmoderne altmodisch erscheinende Werte wie Harmonie, Treue und Teamgeist kombiniert mit Mut, Selbstbewusstsein und Klasse.

Löw ist bei der WM der Alles-richtig-Macher. Er hat einen Haudegen wie Torsten Frings aussortiert und einen Torjäger wie Kevin Kuranyi nicht berücksichtigt, obwohl viele Fans und Medien anderer Meinung waren. Er hat den Ausfall von Michael Ballack nicht beklagt, sondern als Chance begriffen, den ohnehin geplanten Umbruch in Südafrika einfach vorzuziehen.

Was Löw und seiner Mannschaft noch zuzutrauen ist bei der WM? Ganz einfach: Alles!

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  • Zum Verlieben Heiko Rehberg – 05.07.10
    Ich gratuliere Ihnen zu diesem Artikel. Sie sprechen mir aus der Seele. Ich habe Fussball fast immer für einen langweiligen Sport gehalten, weil viel durch Taktik bestimmt wurde. Seit wir diese Mannschaft haben, könnte man sich wirklich in den Fussball verlieben.
    Danke !!

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