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Der Rest der Rüstung

Der tiefgefrorene Krieg


Russland und die USA wollen ihre Atomwaffen reduzieren. Das ist leichter gesagt als getan: Das ausgemusterte Plutonium ist um ein Vielfaches radioaktiver als der Atommüll aus Kraftwerken. Es unschädlich zu machen und sicher endzulagern. Dies stellt die Ingenigeure vor ganz neue Herausforderungen. Doch macht diese Arbeit, die sich noch über Generationen hinziehen wird, die Welt wirklich sicherer? HAZ-Autor Stefan Koch hat einen Frühlingsbesuch im ewigen Eis gemacht.
Der tiefgefrorene Krieg - im militärischen Sperrgebiet von Murmansk.

Der tiefgefrorene Krieg - im militärischen Sperrgebiet von Murmansk.

© Stefan Koch

Unser Autor Stefan Koch (Bild) ist in das militärische Sperrgebiet von Murmansk gereist und hat dort manche Fortschritte, eine ungewöhnliche deutsch-russische Zusammenarbeit und viele offene Fragen entdeckt.

Die Reportage von seiner Reise nach Murmansk ist am 17. April 2010 in der HAZ-Wochenendbeilage "der 7.tag" erschienen. Lesen Sie hier einen Ausschnitt:

Eine Landschaft zum Träumen. Scheinbar endlos reihen sich die Hügel aneinander. So sanft geschwungen, als hätte ein Bildhauer sie modelliert. An den Kuppen glatt poliert, an den flach abfallenden Hängen ein wenig bewachsen. Zwischen den wenigen Bäumen und Sträuchern hängen Nebelschwaden. Beim Blick auf das Schneemeer mag man kaum glauben, dass der Kalender April anzeigt. Seit mehr als einem halben Jahr herrscht hier der Winter. Es ist ein Ort seltsamer Schönheit – kein Ort zum Leben.

Ausgerechnet hier, im Polargebiet auf der nördlichen Kola-Halbinsel, bleibt der Kalte Krieg ewig präsent. Mehr als 200 Atom-U-Boote der Nordmeerflotte bildeten einst das Rückgrat der sowjetischen Militärs. Vor ihnen hatte die Nato mehr Respekt als vor sämtlichen Panzerarmeen des Kremls. Die U-Boote konnten mithilfe ihres atomgesteuerten Antriebs beinahe unendlich lange auf Tauchstation gehen und von ganz unerwarteten Positionen ihre Atomwaffen abfeuern. Ein Teufelswerk, das zum Gleichgewicht des Schreckens gehörte – und ein schweres Erbe bleibt.

Im Dienst der russischen Armee stehen heute vermutlich noch 20 bis 30 dieser stählernen Kolosse, um die Landesverteidigung sicherzustellen. Doch wohin mit dem Rest? Es zählt zu den Sternstunden internationaler Politik, dass sich die früheren Gegner 2002 im kanadischen Kananaskis darauf einigten, Russland mit diesen schwierigen Hinterlassenschaften nicht allein zu lassen. Um die hochgefährlichen A-, B- und C-Waffen fachgerecht zu entsorgen, zahlen die Industriestaaten einen zweistelligen Milliardenbetrag. Außerdem vereinbarten sie eine umfangreiche technische Unterstützung. Auch Berlin sagte 1,5 Milliarden US-Dollar zu. Russland selbst beteiligt sich mit zwei Milliarden Dollar.

Heute, fast 20 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, ist erst ein Bruchteil dieser teuren und brisanten Aufgabe erledigt. Aber das Vorhaben zeigt erste Fortschritte – zum Beispiel auf der fernen Kola-Halbinsel. Ende der neunziger Jahre lagen noch unzählige Schiffe ausrangiert an den Ufern der Saida-Bucht, etwa eine Autostunde nördlich von Murmansk. Heute ist die Bucht kaum wiederzuerkennen: Die Rostlauben des Kalten Krieges sind verschwunden, ebenso die Hügel am westlichen Zipfel der Bucht. Stattdessen erstreckt sich eine fünf Hektar große Fläche bis direkt ans Wasser.

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