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Immer mittendrin: der Dirigent

Die
 eigene
 Note

Von Stefan Arndt

Jetzt spielen sie wieder. In den Konzert- und Opernhäusern beginnt die neue Saison. Doch was macht der Mann im Frack eigentlich genau? Ist seine Arbeit Magie - oder doch nur Dekoration? HAZ-Kulturredakteur Stefan Arndt gibt Antworten.
Der Perfekte: Dirigent Carlos Kleiber.

Der Perfekte: Dirigent Carlos Kleiber.

© Handout

Auf dem Papier wirkt es ganz harmlos. Ein paar Noten nur sind vereinzelt über die sonst leeren Linien der Partitur verstreut. Bei anderen Stücken sieht so etwas doch ganz anders aus. Das soll der Anfang eines berüchtigten Opernschockers sein? In Giacomo Puccinis „Tosca“ geht es um Folter und Vergewaltigung, um Mord und Totschlag – da kann es doch nicht mit ein paar simplen Dreiklängen getan sein.

Im Orchestergraben hat der Dirigent sein verbindliches Lächeln abgelegt. Eben hat er sich für den Beifall bedankt und sich eilig über die Partitur gebeugt. Jetzt setzt er ein entschlossenes Gesicht auf. Mit dem Taktstock holt er zu einem gewaltigen Hieb aus, der jede Rüstung durchbohren würde. Seine Augen werden zu Schlitzen. Wieder ein heftiger Schlag in die Luft und gleich noch einer. Der Mund des Mannes ist aufgerissen, die Zunge fährt weit heraus – ein Wahnsinniger!

Aus dem Orchester aber antworten ihm brutale, rücksichtslose Akkorde, die allen sofort klarmachen, dass dieses Stück ein ganz finsteres Ende nehmen wird. Die als Noten so unspektakulären Dreiklänge sind nicht mehr wiederzuerkennen. B-Dur, As-Dur, E-Dur: So also klingt das Böse – wenn der Dirigent es nur will.

„Es ist ein absurder Beruf“, sagt Paavo Järvi. „Die Musiker spielen, und vor ihnen steht ein Mann und fuchtelt mit den Armen herum.“ Järvi muss wissen, worüber er spottet – er ist einer der erfolgreichsten Dirigenten seiner Generation. Der 47-Jährige ist Chef bei großen Orchestern in Amerika und in Paris, er leitet das Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks in Frankfurt und ist künstlerischer Leiter der Deutschen Kammerphilharmonie in Bremen. Dort sitzt er in einem Hinterzimmer des Probensaals im Problemviertel Osterholz-Tenever und sucht eine Antwort auf die Frage, was ein Dirigent beim Dirigieren eigentlich macht.

„Zukunftslabor“ nennen sie hier das Domizil des Orchesters im Gebäude einer Gesamtschule. Am nächsten Morgen brechen die Musiker zu einer Tournee auf. Sie werden bei den Proms in London auftreten, beim kanadischen Lanaudière-Festival und im New Yorker Lincoln Center. Mit der Geigerin Hilary Hahn ist man eben das Violinkonzert von Mendelssohn durchgegangen, danach hat Järvi noch einmal gründlich Schumanns „Rheinische“ Sinfonie geprobt. Viel geredet wird dabei nicht. Was es zu sagen gäbe, wird gezeigt: Die Geheimsprache des Dirigenten, die seinen Beruf für das Publikum so anziehend rätselhaft macht. Pultmagier hat man berühmte Orchesterleiter früher gerne genannt. Dabei arbeiten sie doch ganz ohne Tricks (...)

Weiterlesen können Sie am 21. August in der HAZ-Wochenendbeilage „der 7.tag".

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