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Der Norden Antisemitismus-Affäre: Dekanin tritt zurück
Nachrichten Der Norden Antisemitismus-Affäre: Dekanin tritt zurück
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00:15 02.10.2016
Von Michael B. Berger
Hochschulpräsidentin Christiane Dienel hält den Rücktritt ihrer Kollegin für unvermeidlich. Quelle: Moras
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Hildesheim

Nach einer ausgiebigen und streckenweise kontroversen Sitzung des Fakultätsrates trat die Dekanin der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit, Professorin Christa Paulini, von ihrem Leitungsamt an der Hochschule zurück. Paulinis Fakultät hat ein umstrittenes Doppelseminar verantwortet, gegen das der Zentralrat der Juden und andere Organisationen Einspruch erhoben hatten, weil es einseitig gegen Israel ausgerichtet sei. HAWK-Präsidentin Christiane Dienel bezeichnete den Rücktritt der Dekanin am Mittwoch als „richtig und unvermeidbar“.

Dienel steht selbst wegen des Seminars im Fokus – Kritik kommt nicht nur vom Zentralrat, sondern auch von der CDU im niedersächsischen Landtag. Die Hochschulpräsidentin hingegen richtete schwere Vorwürfe an die Fakultät und sprach von einem „unverantwortlich nachlässigen Umgang mit der dringend gebotenen Aufarbeitung der Umstände“, unter denen das umstrittene Seminar angeboten und durchgeführt wurde. Es wäre Pflicht der Fakultätsleitung gewesen, „die aufgekommenen Fragen und die öffentliche Debatte ernst zu nehmen und alles dafür zu tun, dass Aufklärung erfolgen kann“, erklärte die Hochschulpräsidentin. Stattdessen seien angeforderte Unterlagen, die zur Aufklärung hätten beitragen können, nur lückenhaft und unvollständig vorgelegt worden. Auch seien „in geradezu fahrlässiger Weise“ die Qualifikationen für Dozenten ungeprüft geblieben. Sie betrachte jetzt das umstrittene Seminar höchst kritisch und hätte wohl auf die Vorwürfe zügiger reagieren sollen, sagte Dienel der HAZ.

Erst Anfang dieser Woche war bekannt geworden, dass sogar ein noch in diesem Jahr eingesprungener Ersatzdozent Karikaturen mit antisemitischen Klischees auf Facebook gepostet hatte. Dienel hat ihn am vergangenen Freitag von seiner Aufgabe entbunden. Das umstrittene Seminar hatte die HAWK erst auf den wachsenden öffentlichen Druck hin abgesetzt.

Die SPD-Wissenschaftsexpertin Silke Lesemann bezeichnete den Rücktritt der HAWK-Dekanin Paulini als „folgerichtigen Schritt, auch wenn er gefühlt ein wenig spät kam“. Nun müsse man das Ergebnis eines vom Wissenschaftsministerium in Auftrag gegebenen Gutachtens abwarten. Dieses soll klären, ob die umstrittene Lehrveranstaltung zweifelsfrei antisemitische Züge trug. Es wird Mitte November erwartet.

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