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Der Norden So geht es Schimpanse Robby im Zirkus
Nachrichten Der Norden So geht es Schimpanse Robby im Zirkus
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12:15 26.03.2018
Robby lebt seit 43 Jahren im Circus Belly. Quelle: Foto: Schaarschmidt
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Hannover

Besuchern reicht Robby die ledrige Hand. Aus bernsteinfarbenen Augen blickt der Schimpanse sein Gegenüber durchs Gehegegitter neugierig an und streichelt, wen er mag, sanft mit dem Daumen. Seinen Ziehvater Klaus Köhler vom Circus Belly mag er offfensichtlich besonders – mit ihm tollt er herum, lässt sich durchkitzeln, lacht.  43 seiner 47 Lebensjahre hat der im Zoo geborene Affe bei dem Zirkusdirektor verbracht.

 „Einen wie ihn gibt es nirgendwo sonst“, sagt Köhler.  Vor Gericht kämpft der 70-Jährige um das Tier, das er „Schatz“ und „mein Junge“ ruft. Gegen ein Urteil des Verwaltungsgerichts Lüneburg, welches den Schimpansen in eine Auffangstation für Affen schicken wollte, hat Köhler Berufung eingelegt und wartet nun voller Hoffnung und Angst, wie es weitergeht. „Ein Umzug würde Robby umbringen“, meint er.

Verfügung vom Kreis Celle 

Hintergrund ist eine Verfügung des Landkreises Celle. Das Veterinäramt dort ist für die Kamele, Pferde, Hunde und auch den Affen der Familie Köhler zuständig, die ihren Wohnsitz in Wietzendorf im Heidekreis hat. Das liegt daran, dass Circus Belly seit vielen Wintern regelmäßig auf dem Celler Schützenplatz zum „Weihnachtscircus“ Station macht. „Oft bis auf den letzten Platz ausverkauft“, erzählt Köhler. Der Familienzirkus mit Platz für 800 Zuschauer, den schon sein Vater und Großvater betrieben hat, hat sein Zelt zurzeit auf einer Wiese in Hannover-Marienwerder aufgeschlagen. Folgen werden Stadthagen, Neustadt und weitere Städte – die Tour führt  in dieser Saison durch Niedersachsen.

Schimpanse Robby lebt seit 43 Jahren beim Circus Belly. Nach dem Willen des Landkreises Celle soll er ihn an eine Tierauffangstation abgeben:

An jedem der Orte kontrollieren Amtstierärzte die Unterbringung und Gesundheit der Zirkustiere, in der Regel ohne Beanstandungen. Das wurde auch bei den Gerichtsverfahren um Robby deutlich. Sein Gesundheitszustand wurde als eindeutig  gut beschrieben. Mit seinen 47 Jahren hat er die durchschnittliche Lebenserwartung für Affen längst überschritten – auch wenn er sich wie ein Kleinkind benimmt, ist er dennoch ein „Affenopa“. Seine Purzelbäume und Seiltanznummern in der Manege liegen lange zurück; es gilt ein amtliches Auftrittsverbot.

Dennoch gehen die Meinungen der Experten in einem Punkt weit auseinander: Reichen Robby das Ehepaar Köhler, deren Kinder und Enkelkinder und der Mischlingshund Ted als Gefährten? Oder würde es ihm in einer Auffangstation für Wildtiere  in den Niederlanden besser gehen?  Das etwa meint der Tierschutzbund. „Nach jahrzehntelanger Zirkushaltung ist Robby verhaltensgestört“, sagt Sprecherin Lea Schmitz. „In der Auffangstation würde Robby weitaus artgerechter betreut werden können.“ 

Das Veterinäramt in Celle hatte Robbys Haltung lange akzeptiert  – bis die Tierrechtler von PETA auftauchten. Sie machten mit Demonstrationen, Petitionen und Boykottaufrufen gegen Robbys ihrer Ansicht nach qualvollen Verbleib im Zirkus mobil. 2011 entschied dann der Kreis Celle, Robby müsse mit Artgenossen zusammenleben. Die Sache ging vor Gericht durch mehrere Instanzen, zuletzt ließ das Oberverwaltungsgericht Lüneburg Köhlers Berufung zu. 

Besuch von Affenforscherin

Unterstützung bekommt die Zirkusfamilie neuerdings von der Tierärztin Alexandra Dörnath. Die Bremerin hat über Menschenaffen promoviert und sich, als sie von Robby las, auf den Weg zum Circus Belly gemacht. Seitdem hat sie ganze Tage mit dem Affen verbracht. „Ihm geht es richtig gut“, meint sie. „Müsste Robby umziehen, würden die Artgenossen ihn töten, oder er würde an gebrochenem Herzen sterben.“

Der Schimpanse hat mit Labradormischling Ted eine Weile Ball gespielt. Köhlers siebenjährige Enkelin Angelina reicht Robby ein Kaubonbon, der Affe wickelt es aus dem Papier aus. Als der Besuch „Tschüss“ sagt, streckt er nochmal die Hand hin. 

Von Gabriele Schulte 

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