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Der Norden Demo: 2500 Lehrer ziehen durch Hannover
Nachrichten Der Norden Demo: 2500 Lehrer ziehen durch Hannover
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21:05 13.09.2018
Für bessere Arbeitsbedingungen an den Schulen: In Hannover gehen die Lehrer auf die Straße. Quelle: Foto: Heidrich
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Hannover

Für eine höhere Bezahlung der niedersächsischen Lehrer und bessere Arbeitsbedingungen an den Schulen im Land hat die Bildungsgewerkschaft GEW am Donnerstag demonstriert. Anlass ist, dass der Landtag über den Haushaltsplan 2019 debattiert. Der Protestzug lief vom Schützenplatz zum Landtag. Die Polizei sprach von rund 2500 Teilnehmern bei der Abschlusskundgebung auf dem Platz der Göttinger Sieben, die Organisatoren schätzen knapp 3000 Teilnehmer.

Dafür demonstrieren die Lehrer

Niedersachsen müsse Lehrer an Grund-, Haupt- und Realschulen besser bezahlen, fordert die GEW. Denn noch verdienen diese schlechter als Studienräte. „Wir fordern die Landesregierung auf, so schnell wie möglich einen Stufenplan zur Umstellung der Besoldung von Grund-, Haupt- und Realschullehrern auf A 13 vorzulegen. Andernfalls droht, dass die Lehrkräfte in andere Bundesländer abwandern“, sagt die Landesvorsitzende Laura Pooth. Bei der Kundgebung vor dem Landtag gibt sie sich kämpferisch, ruft mehrmals energisch: „Es reicht!“ Sie rügt das „kaputtgesparte System Schule“, das nur die Beschäftigten am Laufen hielten: „Die Schuldenbremse verkommt zur Bildungsbremse.“ Pooth stellt fest: „ Es gibt viel zu wenig Lehrer, viel zu hoch belastet. In den Schulen kommt der Putz von der Decke und Unterricht fällt aus.“

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hatte den Stufenplan zur besseren Bezahlung von Grund-, Haupt- und Realschullehrern angekündigt. Vorher müsse aber juristisch geprüft werden, ob die Anhebung auf A 13 mit dem Abstandsgebot im Beamtenrecht vereinbar sei. Bis spätestens Mitte Dezember soll die Prüfung abgeschlossen sein. Wenn alle Lehrer sofort höhergestuft würden, müsste das Land jährlich 200 Millionen Euro mehr zahlen: „Es ist besser, klare Entlastungen und Verbesserungen aufzuzeigen, als den Lehrern Wolkenkuckucksheime zu versprechen.“

Die Bildungsgewerkschaft GEW fordert eine höhere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen an den Schulen im Land.

„Ich arbeite für zwei“

Gudrun Asche (64) aus Oldenburg geht es vor allem um die „längst überfällige Altersermäßigung“. Lehrer ab 60 müssen eine Stunde weniger unterrichten, eigentlich sollte es auch für Lehrer ab 55 eine weitere Stunde Ermäßigung geben, doch bislang ist davon bei der Großen Koalition keine Rede mehr. „Das ist so ein anstrengender Job“, sagt eine 55-jährige Pädagogin, „ich weiß gar nicht, wie ich das noch zwölf Jahre bis zur Rente mit 67 durchhalten soll.“ Eine Gymnasiallehrerin beklagt, dass man an den Schulen jetzt Sprechprüfungen in den Fremdsprachen durchführen müsse, aber es keine entsprechenden Lehrmaterialien gebe. „Jede Schule muss ihr eigenes Konzept erarbeiten.“

Eine 38-jährige Oberschullehrerin aus Oldenburg kritisiert, dass sie Unterrichtsstunden auf fünf unterschiedlichen Niveaus vorbereiten müsse: Da seien Sprachlernschüler, Förderschüler mit Lernproblemen, andere mit geistiger Behinderung, Hauptschüler und Realschüler – und alle in einer Klasse. Rund 74 Prozent der Jugendlichen hätten Migrationshintergrund, und die Deutschrussen seien da noch gar nicht mit eingerechnet, 80 Prozent der Schüler kämen aus armen Familien.

„Ich liebe meinen Job“, sagt eine 28-jährige Grundschullehrerin aus Peine, „aber ich muss für zwei arbeiten, das geht nicht.“ Uwe Mehrle (61) von der Oberschule Jade im Kreis Wesermarsch geht die Bürokratie auf die Nerven: „Ich würde die Zeit lieber mit meinen Schülern verbringen anstatt Konzepte und Gutachten zu schreiben.“ Als Lehrer sei er auch „Motivationstrainer, Sozialarbeiter und Elternersatz“.

Unter den Protestlern ist auch Burkhard Kappe, Leiter der Hauptschule in Lehrte. „Es geht uns darum klarzumachen, dass die Unterschiede in Arbeitszeiten und -bedingungen ein Relikt aus Kaiser Wilhelms Zeiten sind“, sagt der 59-Jährige. Diese Ungleichzeiten seien „durch nichts zu rechtfertigen“. Petra Garbe-Küther kritisiert, dass Grundschullehrer deutlich mehr Unterrichtsstunden absolvieren müssen als beispielsweise Kollegen an Gymnasien: „Die Zahl muss reduziert werden, die Belastungen für uns werden immer größer.“ Seit 35 Jahren ist sie bereits Grundschullehrerin in Bad Münder. Wigbert Vogeley aus Hann. Münden berichtet, dass an seiner Gesamtschule alle Lehrer zwar die gleichen Arbeitsbelastungen haben, aber dennoch unterschiedlich bezahlt werden – je nachdem, ob sie Haupt-, Real- oder Gymnasiallehrer sind. „Das kann nicht sein“, so der 48-Jährige. Gerade angesichts des Fachkräftemangels müsse die Politik alles tun, um den Beruf attraktiv zu halten.

„Gute Bildung fängt bei den Arbeitsbedingungen für Lehrer an“, sagt der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Niedersachsen, Mehrdad Payandeh. „Die Zeit des Sprechens ist vorbei, jetzt muss gehandelt werden.“

Kultusminister Tonne wirbt um Geduld

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hat im Vorfeld der Lehrerdemonstration Verständnis für die Forderungen der Bildungsverbände geäußert. Die Pädagogen zu entlasten und die Besoldung zu erhöhen, seien auch erklärte Ziele der Landesregierung, sagte der Minister vor Journalisten im Landtag in Hannover. Sie seien auch im Koalitionsvertrag von SPD und CDU festgehalten worden. Dadurch dass die Schülerschaft deutlich heterogener geworden sei, seien auch die Anforderungen für die Pädagogen deutlich gestiegen. Die Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen sei nachzuvollziehen, aber es genüge nicht, einfach die Unterrichtsverpflichtung für Lehrer zu senken.

Minister Grant Hendrik Tonne nimmt den Forderungskatalog von Laura Pooth (GEW) entgegen. Quelle: Saskia Döhner

Von Saskia Döhner und Peer Hellerling

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