Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Fast alle Parteien gewinnen Mitglieder – außer die CDU
Nachrichten Der Norden Fast alle Parteien gewinnen Mitglieder – außer die CDU
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:04 11.07.2018
Fast alle Parteien gewinnen Mitglieder. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Mit Ausnahme der CDU gewinnen Niedersachsens Parteien Mitglieder. Das ergab eine Parteien-Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die mit der CDU geschlossene Regierungskoalition stieß bei den Sozialdemokraten wohl auf Zustimmung: Die SPD steigerte die Zahl ihrer Mitglieder von 57 575 Ende Juni 2017 auf 58 136 Mitglieder ein Jahr später. Die CDU hatte dagegen zum Stichtag 30. Juni 59 372 Mitglieder - ein Jahr zuvor waren es mit 60 332 noch 960 Parteigänger mehr. Allein im vergangenen Mai gab es nach CDU-Angaben 108 Austritte. Der Parteienforscher Elmar Wiesendahl führt das unter anderem auf den Streit zwischen CSU und CDU zurück.

„Der Unionsstreit schlägt voll durch, die Deutschen mögen keine Konflikte“, sagt er. „Es könnte sogar noch zu verstärkten Parteiaustritten kommen.“ Die CDU habe auch auf Bundesebene kaum Zuwachs. Die SPD dagegen habe von ihrer Mitgliederbefragung zum Eintritt in die Berliner GroKo profitiert. „Die Beteiligung an der Abstimmung löst befristet einen Eintrittssog aus“, glaubt der frühere Professor der Universität der Bundeswehr und Geschäftsführer der Hamburger Agentur für politische Strategie.

Unzufriedenheit bei CDU-Mitgliedern

CDU-Landeschef Bernd Althusmann führt den Mitgliederschwund seiner Partei auch auf den Altersdurchschnitt der CDU zurück. Sie werde weiter dafür kämpfen müssen, um bei 60 000 Mitgliedern zu bleiben. „Das wird schwer genug“, sagt Althusmann und betont: „Unzweifelhaft gibt es auch Unzufriedenheit unter den Mitgliedern; das hängt zum Teil auch damit zusammen - und das muss man selbstkritisch mal sagen - dass es uns als CDU insgesamt vor dem Unionsstreit nicht ausreichend gelungen ist, all die schon seit 2015 auf den Weg gebrachten Maßnahmen zur Migration ausreichend positiv zu kommunizieren.“

Aufwind verspüren auch die nun in der Opposition sitzenden Grünen: Die Zahl ihrer Mitglieder schnellte von 6567 im Mai des Vorjahres auf 7022 Ende Mai dieses Jahres hoch. Ähnlich sah es bei der FDP aus: Sie hat nun 6026 Parteigänger, wie Landeschef Stefan Birkner bekanntgab (Juli 2017: 5492 Mitglieder). Die Liberalen hatten nach der Landtagswahl mit Hinweis auf ihre Kernaussagen im Wahlkampf eine Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP in Niedersachsen abgelehnt.

Altmitglieder sterben aus, der Nachwuchs ist rar

„Die Zahlen sind nicht besonders verwunderlich“, meint auch Lars Geiges vom Göttinger Institut für Demokratieforschung, mahnt aber: „Man sollte allerdings nicht von einer langfristigen Entwicklung ausgehen.“ Wie auch Wiesendahl warnt er mit Blick auf den Trend: „Er ist eher eine Ausnahme, die die Regel bestätigen dürfte: Die beiden großen Parteien SPD und CDU verlieren langfristig gesehen kontinuierlich und dramatisch ihre Mitglieder: die vormaligen Großparteien dörren regelrecht aus.“ Das gelte bundesweit: Altmitglieder sterben oder treten aus, Nachwuchs ist rar.

„Die niedersächsische SPD hatte beispielsweise im Jahr 1990 noch knapp 115 000 Mitglieder, die Zahl hat sich seither halbiert“, sagt der Politologe. Auch die CDU habe einst fast 100 000 Mitglieder in Niedersachsen gehabt. Auch Wiesendahl bestätigt, dass sich die großen Parteien angesichts der Überalterung in den nächsten zwei Jahrzehnten auf eher sinkende Mitgliederzahlen einstellen müssten, bevor eine Art Normalisierung eintreten werde. „Insofern sind die aktuellen Zahlen aus Niedersachsen kein echter Trend, sondern ein eher befristeter Effekt, der irgendwann ausgereizt sein wird“, sagt Wiesendahl.

„Hier schlägt die Flüchtlingsdebatte durch“

Er betont: „Das, was hier sicherlich durchschlägt, ist die Flüchtlingsdebatte“. Die Polarisierung habe auf allen Seiten des politischen Spektrums eine gewisse Mobilisierungsfunktion gehabt. Das gilt auch für die AfD. Die Partei hat die Zahl ihrer Mitglieder trotz der Querelen um den Landesvorsitz nach eigenen Angaben von 2562 Mitgliedern zum Jahresbeginn auf 2769 zum Wochenauftakt steigern können. Auch sie führt das auf die Mobilisierung durch die Flüchtlingsfrage zurück. Selbst die Linke, die bei der Landtagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte, legte zu: zwischen Juli 2017 und heute stieg die Mitgliederzahl um 8,8 Prozent von 2835 auf 3085.

Von RND/dpa/Ralf E. Krüger

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Schlick bremst den Hafen aus: Juist ist die tideabhängigste und auch deshalb die ruhigste Insel. Gäste lieben das Hufgetrappel im Ort. Doch die Zeit ist auch hier nicht stehen geblieben.

13.07.2018

Immer mehr Eheleute in Niedersachsen und Bremen schaffen es, eine Scheidung zu vermeiden. Berater stellen fest, dass Partner besser über Krisen sprechen und handeln - vor allem die Männer.

10.07.2018

Mindestens 16 Kübel mit teils seltenen Pflanzen haben Diebe vom Schaugelände des Alten Botanischen Gartens in Göttingen gestohlen. Dies ist bereits der zweite Kübeldiebstahl in diesem Jahr.

10.07.2018
Anzeige