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Der Norden Falschgold: 18-Jähriger betrügt Sparkasse um 300.000 Euro
Nachrichten Der Norden Falschgold: 18-Jähriger betrügt Sparkasse um 300.000 Euro
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21:07 16.08.2018
Die Sparkasse Göttingen hat die Goldbarren ungeprüft angenommen. (Symbolbild) Quelle: dpa/Boris Roessler
Göttingen

Die Serie von elf einzelnen Betrugsfällen, so die Anklage der Staatsanwaltschaft, begann Ende September 2016. Der damals gerade 18-jährige Realschul-Absolvent erschien mit vier Standard-Goldbarren und einer Krüger-Rand-Münze bei der Sparkasse, um sie zu verkaufen. Was die Sparkasse nicht ahnte - und nicht überprüfte: Das angebliche Gold hatte der junge Mann zuvor auf der Internet-Auktionsplattform Ebay billig ersteigert. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der aufstrebende „Gold“-Händler genau wusste, dass es sich dabei um Falschgold handelte.

„Gold“-Verkäufe in kurzen Abständen

In diesem ersten Durchgang kassierte der Mann knapp 5800 Euro. Nach diesem Anfangserfolg ging es in kurzen Abständen weiter. Allein im November 2016 kaufte die Sparkasse von dem 18-Jährigen „Gold“ für knapp 189.000 Euro.

Bei der Sparkasse schöpfte zunächst niemand Verdacht. Im Gegenteil: Nach einer kurzen Pause, erklärte der Göttinger Rechtsanwalt Patrick Riebe, der in dem Strafverfahren die Mutter vertritt, habe die Sparkasse sogar bei dem 18-Jährigen angerufen und gefragt, ob es wieder Gold gebe: Man kaufe gerne. Erst nach Monaten kam angesichts der enormen Werte, über die der 18-Jährige angeblich verfügte, einem Sparkassen-Mitarbeiter ein Verdacht. Allerdings der falsche: Eingeleitet wurden Ermittlungen wegen des Verdachts der Geldwäsche.

Letzter Verkauf gescheitert

An diesem Verdacht immerhin scheiterte der letzte der in der Anklage aufgeführten Verkäufe. Bei diesem Schlussakt habe die Mutter des Hauptangeklagten versucht, der Sparkasse drei von ihr ebenfalls über Ebay erstandene Barren aus falschem Gold im vermeintlichen Wert von 2580 Euro zu verkaufen. Doch diesmal lehnte die Sparkasse ab. Die bis dahin aufgelaufenen Gesamt-Einnahmen des 18-Jährigen: exakt 300.984 Euro.

Erst später stellte sich heraus, dass das Gold keines war, zumindest ein Teil davon nicht. Denn zu diesem Zeitpunkt hatte die Sparkasse einen Teil des dubiosen Goldes bereits an andere Kunden weiterverkauft, beispielsweise an die Nord/LB und nach Baden-Württemberg. Ein anderer Teil des „Goldes“, sagt Riebe, sei als vermeintliches Echtgold eingeschmolzen worden. Das wäre aus mehreren Gründen fatal: zum einen, weil jetzt in einer unbekannten Menge von auf dem Markt als echt deklariertem Gold ein ebenso unbekannter Anteil ganz anderer Metalle steckt; zum anderen, weil diese Barren im Verfahren als Beweisstücke ausfallen. Die übrig gebliebenen Barren aus den Ankäufen hatten sich allerdings sämtlich als gefälscht erwiesen.

Anwalt fordert Einstellung

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Mutter und Sohn die Falschgoldverkäufe als dauerhafte Einnahmequelle betrieben. Dem widerspricht Anwalt Riebe - zumindest, was seine Mandantin betrifft. Ihr Tatbeitrag sei nur ein Versuch gewesen, ein echter Schaden sei gar nicht entstanden. Und die hier in Rede stehende Summe von gut 2500 Euro sei derart gering, dass eine Einstellung des Verfahrens in Betracht komme: Jedes Steuerstrafverfahren werde bei derartigen und noch höheren Beträgen eingestellt.

Dem wollte die Staatsanwältin allerdings nicht zustimmen. Angesichts der in Rede stehenden Summen sei eine Einstellung nicht denkbar. Auch die von der Verteidigung ins Spiel gebrachte Vorstellung, der Angeklagte habe möglicherweise gar nicht gewusst, dass es sich bei seinen Ebay-Einkäufen gar nicht um echtes Gold gehandelt habe, sei abwegig. Die Amtsrichterin regte daraufhin ein Gespräch außerhalb der öffentlichen Gerichtsverhandlung an.

Verpackung täuschend echt

Wie leicht es der Sparkasse möglich gewesen wäre, das Falschgold als solches zu identifizieren, demonstrierte ausgerechnet der Rechtsvertreter der Sparkasse, die in dem Verfahren als Nebenkläger auftritt: Ein leichtes Kratzen an einem gefälschten Goldbarren förderte unter der Oberfläche sogleich ein anderes Metall zutage. Allerdings: Die standardisierten Barren besitzen eine ebenso standardisierte Plastikverpackung. Und die war bei den Barren, welche die Sparkasse ankaufte, täuschend echt nachgeahmt.

Demnächst soll weiterverhandelt werden. Bislang haben sich die beiden Angeklagten selbst nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Von Matthias Heinzel

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