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Der Norden Säugling stirbt nach Schlägen gegen den Kopf
Nachrichten Der Norden Säugling stirbt nach Schlägen gegen den Kopf
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16:44 06.08.2018
Symbolbild. Quelle: Arne Dedert
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Göttingen

Im Fall des gewaltsamen Todes eines Jungen in Göttingen hat sich der Verdacht gegen die Eltern erhärtet. Ein Gutachten habe ergeben, dass dem sechs Monate alten Säugling neunmal gegen den Kopf geschlagen worden sei, teilte die Staatsanwaltschaft Göttingen am Montag mit. Einlassungen der Eltern, der Junge habe die Verletzungen möglicherweise bei einem Sturz erlitten, seien damit widerlegt. Das Kind war im Januar im Krankenhaus gestorben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seither gegen die 22-jährige Mutter und den 30 Jahre alten Vater wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge.

Eltern unter Verdacht – aber weiter auf freiem Fuß

Dass trotz der schweren Vorwürfe weder der Vater noch die Mutter in Untersuchungshaft sitzen, erklärte Oberstaatsanwalt Frank-Michael Laue mit einem Dilemma. Da die Unschuldsvermutung gelte, müsse man jeweils zugunsten eines Elternteils annehmen, dass das andere Elternteil die Taten begangen haben könnte. Daran habe auch das Gutachten nichts geändert.

Die Eheleute waren im Januar mit dem Kind im Krankenhaus erschienen und hatten angegeben, es leide nach einem Sturz unter Luftnot. Für die Ärzte war nach Angaben der Staatsanwaltschaft schnell klar, dass die Verletzungen, darunter diverse Knochenbrüche, nicht von einem Sturz herrühren konnten.

Die Ermittlungsbehörden hatten von sich aus nicht über den Tod des Säuglings berichtet. Nachdem der Fall im Mai dennoch bekanntgeworden war, hatten Unbekannte das Elternpaar auf einer Straße in Göttingen überfallen und mit Schlägen und Tritten verletzt.

Chronik: Babys sterben an Gewalt und Vernachlässigung

Geschüttelt, verprügelt, vernachlässigt - immer wieder kommen Säuglinge und Kleinkinder gewaltsam zu Tode. Die Täter sind oft Eltern oder deren Lebenspartner. Eine Auswahl von Fällen:

August 2017:Ein 31-jähriger Paketfahrer aus Osnabrück schüttelt die 13 Monate alte Tochter seiner Freundin so heftig, dass das Kind Tage später stirbt. Der Mann wird zu acht Jahren Haft verurteilt.

September 2015:Ein 28 Jahre alter Vater aus Wolfsburg schüttelt seinen dreieinhalb Monate alten Jungen, weil das Kind nicht aufhört zu schreien. Der Junge stirbt. Der Vater kommt zunächst nicht ins Gefängnis, er wird zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.

März 2014:Ein 26-Jähriger verletzt in Osnabrück seine wenige Monate alte Tochter durch Schütteln schwer. Sie ist seitdem mehrfach gelähmt und in höchstem Maße pflegebedürftig. Der Vater wird zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Kind war nach einem vorangegangenen Misshandlungsverdacht vorübergehend aus der Familie genommen worden.

November 2013: In einem Mehrfamilienhaus im westfälischen Soest stirbt ein knapp viermonatiges Baby, die Leiche des Mädchens wird erst zwei Wochen später gefunden. Die Mutter hatte es mehrere Tage alleingelassen. Die 22-Jährige kommt lebenslang in Haft.

Von Matthias Brunnert/dpa/RND

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