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Der Norden Landesbischof Meister kritisiert Asyldebatte
Nachrichten Der Norden Landesbischof Meister kritisiert Asyldebatte
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23:00 12.07.2018
Hannover - Interview - Simon Benne spricht mit Landesbischof Ralf Meister in dessen Büro. - Foto Tim Schaarschmidt Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Mit einem dringenden Appell an Politik und Gesellschaft hat sich Hannovers Landesbischof Ralf Meister in die Debatte um Flüchtlinge und Asyl eingeschaltet. „Wir dürfen nicht taub werden für die einzelnen Geschichten der Not“, sagte Meister im HAZ-Interview. Es sei „beschämend“, dass das Humanitätsideal gegenwärtig auf der Strecke bleibe.

Der von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) vorgestellte Masterplan Migration beschäftige sich fast ausschließlich mit Fragen der inneren Sicherheit, kritisierte Meister. Es sei aber wichtig, die Ursachen der Flucht und globale humanitäre Hilfe stärker in den Blick zu nehmen.

Der evangelische Landesbischof rief Politik und Wirtschaft zudem zu einem verstärkten Einsatz auf, um die weltweite Armut zu bekämpfen. „Die Alternative wäre, fortwährende Ungerechtigkeit zu akzeptieren, und damit den massenhaften Tod von Menschen.“ Migration werde das wichtigste globale Thema im 21. Jahrhundert sein. Allein durch Grenzsicherung ließen sich die Probleme nicht lösen: „So hoch kann man Mauern und Zäune gar nicht bauen, dass wir verzweifelte Menschen in Not abhalten können, zu uns zu kommen.“ Meister plädierte außerdem für ein „vernünftiges Einwanderungsgesetz“, um qualifizierten Migranten einen Weg nach Deutschland zu eröffnen.  

Hannover - Interview - Simon Benne spricht mit Landesbischof Ralf Meister in dessen Büro. - Foto Tim Schaarschmidt Quelle: Tim Schaarschmidt

Am Mittwoch hatte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, fehlende Empathie in der Debatte über Abschiebungen beklagt. „Immer mehr Menschen, besonders auch in den christlichen Kirchen, wollen den Auszug der Empathie aus den öffentlichen Diskussionen um die Flüchtlingspolitik nicht länger hinnehmen“, sagte Bedford-Strohm dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

In einer Internetpetition, die Bedford-Strohm ausdrücklich unterstützt, heißt es: „Die Regierungen in Europa dürfen sich nicht aus der Verantwortung stehlen, indem sie Grenzen schließen und Menschen in Not abwehren.“ Mehr als 30.000 Menschen hatten bis Donnerstagnachmittag unterzeichnet.

Nach Angaben von Hilfsorganisationen sind in den vergangenen vier Wochen mehr als 600 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Die Entscheidung, die Häfen für gerettete Personen zu schließen, habe zu noch mehr Toten auf der ohnehin lebensbedrohlichen Fluchtroute geführt, erklärte Sophie Beau, Vize-Präsidentin der Hilfsorganisation SOS Mediterranee. Die Regierungen Europas müssten sofort dafür sorgen, dass Gesetze zur Seenotrettung eingehalten würden.

Unterdessen hat Frankreich 78 Flüchtlinge aus Afrika aufgenommen, die das Rettungsschiff „Aquarius“ ins spanische Valencia gebracht hatte. Italien verweigert Schiffen privater Hilfsorganisationen derzeit das Einlaufen in die Häfen des Landes.

Von Simon Benne

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