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Der Norden Integrationsprojekt „Sprint“ soll weitergeführt werden
Nachrichten Der Norden Integrationsprojekt „Sprint“ soll weitergeführt werden
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00:16 03.03.2019
Hannover

Es sollte möglichst schnell Flüchtlinge zu einem Ausbildungsplatz verhelfen und zum Erwerb der deutschen Sprache – „Sprint“ heißt der Name des Schulversuchs, der als äußerst erfolgreich gilt. Deshalb hat es in der hannoverschen Regierungskoalition von SPD und CDU hinter den Kulissen einigen Wirbel um das Projekt gegeben, weil es einfach auszulaufen drohte – sehr zum Ärger der Berufsbildenden Schulen. Doch jetzt hat das Kultusministerium signalisiert, dass „Sprint“ weitergehen kann, allerdings unter neuen Voraussetzungen.

Schulleiter überrascht

„Sprint“ stehe für ein Sprach- und Integrationsprojekt, das 2015 zu Zeiten des großen Flüchtlingszuzugs als Schulversuch ins Leben gerufen wurde und das sich sehr bewährt habe, berichtet Friedrich-Wilhelm Gieseke von der Schulleitung der Otto-Brenner-Schule in Hannover, die sich auf Metall- und Elektrotechnik spezialisiert hat. Man habe damals selbst Lehrkräfte eingestellt, oftmals Seiteneinsteiger ohne die klassische Lehrerlaufbahn. Der Schulversuch sei befristet gewesen, aber Jahr für Jahr verlängert worden – bis die Schulbehörde Anfang dieses Monats signalisierte, dass zum 3. Juli 2019 endgültig Schluss sei.

Auch Schulleiter Uwe Backs von der Berufsbildenden Schule Neustadt war überrascht von dieser Ankündigung. Auch er schwärmt von diesem Schulversuch. Dabei war der Fortbestand der Projekte „Sprint“ wie auch „Sprint Dual“ (hier arbeiten die Schüler drei Tage in einem Betrieb und zwei Tage in der Schule) sogar im Koalitionsabkommen vereinbart. „Die Nachricht, dass Schluss sein soll, hat bei uns erheblichen Unmut ausgelöst“, sagt die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion Mareike Wulf: „Rätselhaft, was das Kultusministerium da treibt.“

Bisherige Lehrer auf die Straße gesetzt?

Auf Anfrage der HAZ betonte das Ministerium jetzt, dass das erfolgreiche Schulprojekt jetzt doch nicht ende, sondern „dauerhaft in das System der berufsbildenden Schulen überführt werden soll“. Man werde auch die zunächst im Rahmen der Projekte eingestellten Sozialpädagoginnen und -pädagogen weiterbeschäftigen können. Die Erfahrungen mit dem neuen Projekt sollten auch in den Lehrplänen verankert werden.

Schulleiter Gieseke ist erfreut über den Kurswechsel, der sich jetzt abzeichnet. Allerdings sorgt er sich um die bisher bei „Sprint“ beschäftigten Lehrkräfte, die oft keine normale Lehrerausbildung hätten, sondern meist nur einen Bachelor-Abschluss und andere Qualifikationen. Allein bei ihm gehe es um zehn Lehrer. „Die haben sich bestens bewährt, aber eben keine Fakultas in Deutsch und gehen mit dem Ende des bisherigen Versuchs in eher prekäre Verhältnisse.“

Auch CDU-Expertin Wulf ist noch nicht zufrieden. „Wir schauen ganz genau hin, was passiert – es darf keine Lücke entstehen.“ Es sei ihr schleierhaft, warum das Ministerium bei einem so wichtigen Integrationsprojekt, bei dem auch viele Betriebe mitmachten, ein solches Hick-Hack entstehen ließ. „Wir haben im Koalitionsabkommen etwas anderes vereinbart.“

Von Michael B. Berger

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