Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Hohe Mieten: Gewerkschaften und Kommunen schlagen Alarm
Nachrichten Der Norden Hohe Mieten: Gewerkschaften und Kommunen schlagen Alarm
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:35 05.07.2018
Die Mietpreise in Hannover sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Quelle: Christian Behrens
Hannover

Gigantische Baulücken, eine dramatische Mietpreisentwicklung, und ein fast nicht mehr existenter sozialer Wohnungsbau: Gewerkschaften, Kommunen und Wohnungswirtschaften warnen vor zunehmenden Problemen auf dem Wohnungsmarkt in Niedersachsen – und gravierenden Folgen für die Gesellschaft. Bauminister Olaf Lies (SPD) kündigte bis zum Herbst Gegenmaßnahmen an.

Vor allem in den Ballungsräumen steigen die Mieten seit Jahren kontinuierlich. Aus Berechnungen des DGB und den Mietpreisspiegeln der Städte geht hervor, dass etwa Wolfsburg zwischen 2011 und 2016 einen Preisanstieg um 65 Prozent bei 60- und 100-Quadratmeter-Wohnungen zu verzeichnen hatte. In Hannover waren es in diesem Zeitraum bis zu 50 Prozent, in Braunschweig bis zu 20 Prozent. Rund ein Fünftel aller Haushalte in Niedersachsen muss mehr als 40 Prozent des Nettoeinkommens für die Miete ausgeben, 44 Prozent der Haushalte mehr als 30 Prozent. Spitzenreiter sind hier Oldenburg und Hannover.

„Wohnen darf nicht arm machen“

Der niedersächsische DGB-Chef Mehrdad Payandeh forderte Land und Kommunen auf, deutlich mehr bezahlbare Wohnungen zu bauen, um den „Mietwahnsinn“ zu stoppen. „Immer mehr Menschen sind von Armut bedroht, da die Miete zu viel Geld vom Einkommen frisst“, sagte Payandeh der HAZ. Bezahlbares Wohnen sei ein Grundrecht. „Wohnen darf nicht arm machen.“

Auch der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen (VdW) sieht dringenden Handlungsbedarf. „Es ist unerträglich, dass heute selbst Normalverdiener mit ihren Familien in unseren Städten große Schwierigkeiten haben, eine bezahlbare Wohnung zu finden“, erklärte Verbandsdirektor Heiner Pott.

Die Kommunen sehen das Land beim sozialen Wohnungsbau in der Pflicht. Die Fördersummen müssten deutlich erhöht werden, sagte der Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages, Jan Arning, der HAZ. „Es wurde nicht nachgebaut. Wir verlieren immer mehr Sozialwohnungen.“

Minister Lies will handeln

Nach Angaben des Landesamtes für Statistik Niedersachsen hat die Bauwirtschaft im Jahr 2017 in Niedersachsen insgesamt 28.512 Wohnungen fertig gestellt: die zweithöchste Wohnungszahl der vergangenen zehn Jahre, aber wieder 2,7% weniger als im Jahr zuvor. Der DGB spricht von einer „gigantischen Baulücke“ zwischen 2004 und 2016. So wurden etwa 2009 – auch aufgrund der Wirtschaftskrise – nur 14.000 Wohnungen fertig gestellt. Im Jahr 2001 waren es noch mehr als 35.000. Die Zahl der Sozialwohnungen sank von knapp 97.000 im Jahr 2012 auf 86.000 im Jahr 2016. Zwischen 2016 und 2025 fallen insgesamt 52.100 davon aus der Sozialbindung. In der Folge ist mit Mietsteigerungen für diese Wohnungen zu rechnen. Jede 16. Wohnung in Niedersachsen ist eine Sozialwohnung.

Bauminister Lies geht davon aus, dass bis 2035 in Niedersachsen rund 296.000 neue Wohnungen gebraucht werden, auch weil nach Prognosen die Zahl der Haushalte bis 2028 um rund 100.000 wächst. „Zurzeit stagniert der Bau von bezahlbarem Wohnraum. Darum müssen wir dringend die Rahmenbedingungen verändern“, sagte Lies der HAZ. Wohnen sei Daseinsvorsorge und der Staat dürfe diese Verantwortung nicht ausschließlich dem freien Spiel des Marktes überlassen. Lies will im August Empfehlungen für die neuen Förderkonditionen beim sozialen Wohnungsbau vorlegen. Im Herbst werde das niedersächsische „Bündnis für bezahlbares Wohnen“ weitere Ergebnisse präsentieren.

Von Marco Seng

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach anderen Fraktionen hat auch die Landtags-AfD dem Bückeberg einen Besuch abgestattet. Sie lehnt den umstrittenen Gedenkort ab – lässt aber auch Befürworter zu Wort kommen.

04.07.2018

Für Studienanfänger in Hannover zählt oft die Abi-Note. Niedersachsens Landeshauptstadt führt eine NC-Rangliste aller großen deutschen Unistädte an.

04.07.2018

Bei Norddeich in Ostfriesland ist am Mittwoch ein Schaf im Watt stecken geblieben. Die Polizei konnte das Tier zusammen mit dem Schäfer retten, nachdem eine Radfahrerin das Schaf entdeckt und die Polizei alarmiert hatte.

04.07.2018