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Der Norden AfD-Abgeordnete besuchen den Bückeberg
Nachrichten Der Norden AfD-Abgeordnete besuchen den Bückeberg
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20:24 04.07.2018
Am Bückeberg: Der AfD-Landtagsabgeordnete Christopher Emden (von links) mit den Fraktionskollegen Stefan Wirtz und Harm Rykena. Quelle: Bert Strebe
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Emmerthal

Der Bückeberg hat wieder einmal politischen Besuch. Der stapft unter der erbarmungslosen Sonne gerade die 180 000 Quadratmeter große Erhebung hinauf, auf der die Nazis zwischen 1933 und 1937 jeweils rund eine Million Menschen zu ihren „Reichserntedankfesten“ versammelt hatten. Seit der Hamelner Kreistag im März gegen heftigen Widerstand der Emmerthaler beschlossen hat, den Bückeberg zum „Gedenk- und Lernort“ zu machen, waren schon fast alle Landtagsfraktionen hier. Heute ist die AfD gekommen, in Gestalt der Abgeordneten Christopher Emden, Harm Rykena und Stefan Wirtz. Auch zehn Bürger aus der Region haben sich zum AfD-Treff am Berg aufgemacht, im Dorfgemeinschaftshaus im Ortsteil Voremberg stoßen später noch einmal so viele dazu.

Die AfD ist gegen die Gedenkstätte. Die AfD hat im Ortsrat für eine Bürgerbefragung gestimmt und sie mithilfe der CDU und der Freien Wähler durchgesetzt. Sie erwartet ein klares Nein. Niemanden wundert das: Die AfD, das sind ja die Rechtspopulisten.

Aber am Bückeberg gibt es auch mehrere Überraschungen. Christopher Emden, der Wortführer der Politiker aus dem Landtag, erzählt als Erstes, wie er als Schüler das KZ Stutthof besuchte. Und wie ihn das mitgenommen habe. Und er erklärt, dass die Nazi-Zeit ganz gewiss „kein Fliegenschiss“ war. Damit distanziert Emden sich klar von seinem Parteichef Alexander Gauland, der, unter leichter Verdrehung der Metapher, gesagt hatte, Hitler und seine Partei seien ein „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte gewesen. Christopher Emden ist trotzdem gegen die Bückeberg-Gedenkstätte. Er würde junge Leute lieber nach Bergen-Belsen schicken, das sei eindringlicher. Aber er hört heute auch zu, auch den Gedenkstättenbefürwortern. Und wenn denen der Volkszorn ins Wort fällt, tritt er für ihr Recht zu reden ein.

Initiator kommt zu Wort

Auch bei Bernhard Gelderblom aus Hameln. Er ist der Initiator des ganzen Bückeberg-Gedenkens. Der 75 Jahre alte pensionierte Geschichtslehrer konnte seine Gedenkstättenidee nie richtig in Emmerthal präsentieren, weil ihm niemand zuhören wollte. Heute spricht er. Ausführlich. Ausgerechnet auf einer Veranstaltung der AfD. Er überzeugt die Gegner nicht. Aber sie hören ihm zu. Und wenn sie es nicht tun, geht Christopher Emden dazwischen.

Gelderblom hat auch deswegen einen schweren Stand, weil jüngst die Nachricht die Runde gemacht hat, der Bund steuere 725 000 Euro zur Gedenkstätte bei. Das finden die anwesenden Emmerthaler seltsam, denn Landrat Tjark Bartels (SPD) hat immer erklärt, das Projekt koste 450 000 Euro. Sprich: Die Gedenkstätte am Bückeberg wird auf Antrag des Kreises mutmaßlich größer und umfassender, als Bartels den Bürgern bisher erzählt hat. Das hat im Ort nicht zum Vertrauen in die Kreisverwaltung beigetragen.

Die Emmerthaler haben sich immer gegen den Verdacht gewehrt, sie seien Ewiggestrige, die die Nazi-Zeit totschweigen wollten. Die Argumente, die kamen und auch diesmal kommen, lauten: Für alles andere, marode Schulen, kaputte Straßen, fehle das Geld, aber für den Bückeberg sei welches da. Und obwohl der Berg zu Emmerthal gehöre, kümmere es niemanden, was die Bürger dort wünschen.

Nun, nach all den Stunden und der Hitze, geht manchem bei der Diskussion die Zurückhaltung verloren. Ein Anwohner beklagt, schon jetzt machten ihm Besucherautos die Auffahrt kaputt, und die Leute kippten ihm ihren Dreck vor die Tür, das könne nur schlimmer werden. Delia Klages, persönliche Referentin von AfD-Mann Emden im Landtag und zugleich Vertreterin der AfD im Emmerthaler Rat meint gar, mit der Gedenkstätte „werden Menschen unter eine Dauerschuld gestellt“. Eine Zuhörerin spricht den berühmten Klischeesatz aus, es müsse „doch mal ein Ende haben“, dieses Erinnern an die Nazi-Zeit. Ein Handwerkermeister bekennt, er würde gern mehr Nationalismus zeigen dürfen. Und eine Dame in Reihe zwei sagt, mit dieser „ewigen Schuld“ werde die Bevölkerung „klein und dumm gehalten“, das sei „emotionale Erpressung“.

Am Ende verkündet Klages, all diese Erinnerungsstätten, die seien wie ein „Waschzwang“. Bei dem helfe es auch nicht, sich ständig die Hände zu waschen. Da hat sie recht. Das einzige, was hilft, ist, sich mit dem auseinanderzusetzen, was dahintersteckt.

Von Bert Strebe

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