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Der Norden Waldbrandgefahr in Niedersachsen steigt
Nachrichten Der Norden Waldbrandgefahr in Niedersachsen steigt
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21:01 23.07.2018
Ein Funke reicht: In der Wedemark zeugen verkohlte Stämme von einem Brand. Die Karte des Deutschen Wetterdienstes zeigt, wo die Brandgefahr heute „hoch“ (rot) oder „sehr hoch“ (violett) ist – am Mittwoch soll die Situation in Niedersachsen noch heikler werden. Quelle: Fotos: dpa,DWD
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Hannover

Hitze und Trockenheit gefährden Wälder, Gras und Felder in Niedersachsen so stark wie seit Jahren nicht. Die Waldbrandzen­trale in Lüneburg hat bis Montag schon 345 Feuer in den sechs besonders gefährdeten Landkreisen im Nordosten Niedersachsens gemeldet – und die vom Wetterdienst angekündigte Hitzewoche lässt das Risiko weiter steigen. „Dieses Jahr ist extrem“, sagt Helmut Beuke, der bei den Landesforsten für das Früherkennungssystem zuständig ist. In den Vorjahren habe die Zahl im Durchschnitt bei 125 Meldungen in der gesamten Saison gelegen.

Das automatisierte Waldbrand-frühwarnsystem basiert auf den Bildern aus 20 Überwachungskameras an 17 Standorten, montiert auf Mobilfunkmasten und Türmen. Ein optischer Sensor dreht sich pausenlos und sendet Bilder nach Lüneburg. Dort analysieren fünf Mitarbeiter pro Schicht vom Üblichen abweichende Graustufen. Ein Schwelbrand? Oder nur eine Beregnungs- oder Windkraftanlage? Fehlalarme, berichtet Beuke, seien mit der wachsenden Erfahrung sehr selten geworden. Wetterbedingt häufiger geworden sind in diesem Jahr dagegen die Tage, an denen die Überwachungszentrale besetzt ist: Seit März schon 80 im Vergleich zu durchschnittlich 50 Tagen in den Vorjahren in der ganzen Saison.

Früherkennung entscheidend

Am Montag um 12.25 Uhr war es wieder so weit. Bei Scheeßel im Kreis Rotenburg brannte eine Strohpresse. Gleich zwei Kameras, in Schneverdingen und Bad Fallingbostel, erkannten aus 15 beziehungsweise 37 Kilometern Entfernung den Rauch. Den Mitarbeitern in Lüneburg war sofort klar: ein Fall für die Feuerwehr. Der Brand konnte zügig gelöscht werden.

„Die Früherkennung ist unsere große Chance“, sagt Beuke. Die gut ausgestatteten Feuerwehren trügen zusätzlich dazu bei, dass mit einem Flächenbrand wie derzeit in Schweden wohl nicht zu rechnen sei. Das Innenministerium in Hannover hebt hervor, dass Niedersachsen trotz der Entsendung einiger Feuerwehreinheiten nach Schweden hierzulande voll einsatzfähig sei. „Der Brandschutz wird, auch im Hinblick auf die vorhandenen Waldbrandgefahren, weiterhin sichergestellt“, sagt ein Ministeriumssprecher.

Nach Prognosen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wird die Brandgefahr in den kommenden Tagen weiter steigen – in vielen Regionen Niedersachsens im weiteren Verlauf der Woche auf die höchsten Warnstufen vier und fünf. Wie DWD-Sprecher Gerhard Lux erläutert, spielen neben der Lufttemperatur auch Luftfeuchtigkeit und Wind eine Rolle. Das Rechenmodell könne aber die Einschätzung der Forstleute vor Ort nicht ersetzen: „Es gibt sehr kleinräumige Unterschiede“, sagt der Wetterexperte. Dies habe nicht zuletzt mit Bodenbeschaffenheit und Bewuchs zu tun. Zurzeit seien vor allem viele staubtrockene Grasflächen extrem gefährdet. Auch in Kiefernwäldern, wo auf dem Boden trockene Nadeln liegen, ist das Risiko hoch. Die Landesforsten mahnen auch andernorts zu besonderer Vorsicht: Keine Zigarettenkippen achtlos wegwerfen, nicht im Wald rauchen, Autos nicht auf trockenen Grasflächen abstellen, kein Feuer im Wald – diese Grundregeln müssten dringend eingehalten werden.

Einzelne Landkreise versuchen mit Verordnungen, Wald und Moore zu schützen. So haben die Kreise Emsland und Grafschaft Bentheim Anfang Juli verboten, markierte Wege zu verlassen – andernfalls droht ein Bußgeld. „Zwar ist nicht zu ermitteln, ob die Zahl der Brände damit eingeschränkt werden kann“, sagt Anja Rohde, Kreissprecherin in Meppen. „Es ist aber in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die Waldbrandgefahr geschaffen worden.“ So hätten sich Bürger erkundigt, ob Grillen erlaubt sei. Die Antwort: ja, mit Elektrogrill. Auch die Stadt Braunschweig warnt davor, draußen Holzkohle zu entzünden. Das Grillen ist dort sogar auf offiziellen Grillplätzen verboten.

Brisante Mischung

Trotz örtlicher Regenschauer am Wochenende ist die Brandgefahr auch in den Wäldern des Nationalparks Harz weiter sehr hoch. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage lasse erwarten, dass sich die Lage noch einmal verschärfen werde, teilte die Nationalparkverwaltung am Montag mit: „Sehr hohe Temperaturen, ungebremste Sonneneinstrahlung und kein Regen in Sicht – das ist eine brisante Mischung.“ Dennoch verzichtet die Parkverwaltung angesichts der Ferienzeit auf Waldsperrungen. Besucher müssten sich aber strikt an das Rauchverbot halten.

Von Gabriele Schulte

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