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Der Norden Freie Träger fürchten um Qualität der Kitas
Nachrichten Der Norden Freie Träger fürchten um Qualität der Kitas
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00:28 28.05.2018
„Noch viele offene Fragen“: Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track. Quelle: dpa
Hannover

Nach dem Kompromiss zwischen Land und kommunalen Spitzenverbänden zum beitragsfreien Kindergartenbesuchs wächst bei den Trägern die Angst, dass dies auf Kosten der Qualität gehen könnte. „Wir freuen uns, dass eine Lösung für die Finanzierung der Beitragsfreiheit gefunden wurde, sehen aber noch viele offene Fragen, nicht zuletzt im Hinblick auf die Steigerung der Qualität in der frühkindlichen Bildung“, sagt Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover. Sie kritisierte zudem, dass die freien Träger in die Verhandlungen bislang überhaupt nicht eingebunden seien, dabei würden zwei von drei Kitas im Land von freien Trägern geführt und die evangelischen Kirchen seien mit der Diakonie mit rund 1000 Einrichtungen der größte freie Träger.

„Wahlversprechen von Politik eingelöst, das reicht nicht“

„Die Politik macht das, was am nächsten am Wahlversprechen ist, aber das reicht nicht“, sagt Heribert Schlensok von der Caritas Hildesheim. Von der kostenlosen Kita profitierten auch Eltern, die das eigentlich aufgrund ihres Einkommens nicht nötig hätten. Die Kita-Gruppen müssten endlich kleiner werden: Die Erzieherinnen hätten zu viele Probleme in den zu großen Gruppen mit jeweils 25 Kindern. Der Druck für das Kita-Personal sei immens, manchmal fehle den Betreuerinnen sogar die Zeit, auf Toilette zu gehen. Mehr Zeit für die Fachkräfte fordert auch Katja Wigelewski von Verdi –mehr Zeit für Leitung, für Elterngespräche, aber auch für individuelle Förderung der Kinder.

Nur acht Kinder sollten von einer Fachkraft betreut werden

„Seit Jahren treten wir für bessere Rahmenbedingungen ein“, sagt Wigelewski. Wenn jetzt die 328 Millionen Euro, die das Land bis 2022 zusätzlich an die Kommunen zur Finanzierung der Beitragsfreiheit gebe, bleibe für Qualitätsverbesserung wieder kaum noch etwas übrig. Dafür seien die Bundesmittel eigentlich genau dafür gedacht gewesen. „Wir brauchen einen besseren Betreungsschüssel.“ Mehr als acht Kinder sollte eine Fachkraft nicht betreuen müssen, zurzeit sind es rein rechnerisch 12,5 Kinder.

„Die Beitragsfreiheit für Kitas und Kindergärten klingt nach einer großen Erleichterung für Eltern“, sagt Birgit Eckhardt, Vorsitzende des Paritätischen, „doch abgesehen davon, dass der Gebührenerlass vor allem mittelständischen und einkommensstarken Familien zugutekommt – einkommensschwache Familien sind in der Regel sowieso schon von den Kosten befreit – gibt es im weitaus dringendere Baustellen.“ Und das sei vor allem die Qualität. Kleinere Träger oder solche mit besonderen Angeboten wie Waldorf-Kindergärten kämen nun in erhebliche Probleme. Viele hätten mit den Kommunen keine Defizitdeckungsverträge und würden auf den Kosten,die nun durch Elternbeiträge nicht mehr abgedeckt sind, buchstäblich sitzen bleiben.

Ralf Selbach, Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes des Deutschen Roten Kreuzes, der dieses Jahr den Vorsitz der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege hat, fordert:. „Nach dem quantitativen Ausbau der Kinderbetreuung muss nun mit gleichem Engagement die qualitative Verbesserung mit kleineren Gruppengrößen etwa und längeren Verfügungszeiten gefördert und gesetzlich verankert werden.“ Das Land müsse schnellstmöglich Gespräche mit den freien Trägern suchen.

Burkhard Teuber, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt der Region Hannover, sagt, mehr Qualität werde auch mit kostenlosen Kitas kommen. Es sei sich jeder bewusst, dass man die dritte Fachkraft in den Gruppen dringend brauche: „Die Qualitätsoffensive wird weitergehen.“

Von Saskia Döhner

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