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Der Norden Dem Kunststoff einen Wert geben?
Nachrichten Der Norden Dem Kunststoff einen Wert geben?
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00:19 14.02.2019
ARCHIV - 07.03.2013, Niedersachsen, Memmert: Angespülter Unrat in Form eines Arbeitshandschuhs und eines Kunststoffkanisters liegt am Strand. (zu dpa "Plastikmüll im Meer beschäftigt den Umweltausschuss" vom 11.02.2019) Foto: Ingo Wagner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Quelle: dpa
Hannover

Einweggeschirr, Zigarettenfilter, Becher für den Coffee-to-go: Viele Wegwerfprodukte sind aus Kunststoff. Für Flüsse und Meere ist der Plastikmüll eine zunehmende Belastung. Könnten Sanktionen für die Verursacher dazu beitragen, die Plastikflut einzudämmen? Diese Frage stellte sich am Montag der Umweltausschuss des Landtages – in einer Anhörung mit verschiedenen Experten.

Kontrolle über den Müll verloren

Am Boden der Nordsee liegen nach Erkenntnissen des Alfred-Wegener-Instituts durchschnittlich 1300 Plastikobjekte pro Quadratkilometer. „Damit stellt sich die Nordsee nicht als besonders sauber aber auch nicht als besonders dreckig im internationalen Vergleich dar. Ihre Belastung entspricht ihrer starken kommerziellen Nutzung“, sagte der Meeresbiologe Lars Gutow vom Bremerhavener Institut vor dem Ausschuss. 76 Prozent der am Meeresboden gefundenen Objekte seien der Schleppnetzfischerei zuzurechnen.

Der Meeresbiologe führte sehr anschaulich vor, wie Plastikmüll aus Flüssen wie Elbe und Weser von der Deutschen Bucht bis an den Skagerag und sogar bis in die Arktis dringen kann, auch wenn die Masse des Plastikmülls meist in Dänemark strandet. „Der Kern des Problems ist, dass wir die Kontrolle über unseren Müll verloren haben.“ Die Nordsee sei ein wichtiges Quellgebiet für den Müll in der Arktis. Jürgen Bertling vom Fraunhofer-Institut hält in dieser Situation Müllfischerei für wesentlich sinnvoller als flächendeckende Reinigungsaktionen der Ozeane, die auch große Schäden anrichten könnten. Er riet zu Sanktionen der Verursacher. Fastfood-Restaurants, Kioske aber auch Supermärkte sollten angesprochen werden.

Die Ausschussitzung sollte die Frage kläre, wie sich der Plastikmüll verringern lasse und welche Gefahren von ihm ausgehen. Sowohl die oppositionellen Grünen als auch die Regierungsfraktionen von SPD und CDU haben entsprechende Anträge in den Landtag eingebracht, in denen sie sich für eine Eindämmung der Plastikabfälle einsetzen.

Warum ist die Gurke eingeschweißt?

Dorothea Seeger vom Meeresschutzbüro des Bundes für Natur- und Umweltschutz (BUND) zählte auf, was die Deutschen pro Jahr im Schnitt an Plastikprodukten verbrauchen: 9 Milliarden Getränkeflaschen, 3 Milliarden Kaffeebecher und 509 Millionen Take-Away-Verpackungen. Deutschland habe im internationalen Vergleich bei der Entsorgung von Kunststoffabfall schon viel erreicht - wenn auch nicht genug, meinte dagegen Jochen Wilkens, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Chemischen Industrie. „Auch mir erschließt sich nicht, warum eine Gurke im Supermarkt noch in Plastik eingeschweißt ist.“ Man müsse dem Kunststoff „einen Wert“ geben, damit er nicht weggeworfen werde, zitierte Wilkens einen seiner Vorredner. Er wies darauf hin, dass es in Niedersachsen immerhin 30 000 Beschäftigte in der Kunststoffindustrie gebe. Die Industrie im Land produziere unter anderem Dralon-Fasern, Sportschuhe, Verpackungsfolie und Kunststoffe für die Autoindustrie.

Von Michael B. Berger

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