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Der Norden 30-Jähriger wegen Messerattacke auf Wildpinkler vor Gericht
Nachrichten Der Norden 30-Jähriger wegen Messerattacke auf Wildpinkler vor Gericht
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12:27 11.10.2018
Prozess um Angriff auf Wildpinkler. Quelle: dpa (Symbolbild)
Oldenburg

Ein Jugendlicher pinkelt in der Oldenburger Innenstadt gegen eine Hecke. Darüber soll sich ein Mann nach Ansicht der Staatsanwaltschaft so sehr geärgert haben, dass er ihm ein Messer in den Rücken rammte. Der 17-Jährige kam lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus. Der 30-Jährige muss sich deshalb ab Donnerstag wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Oldenburg verantworten. Er sitzt seit seiner Festnahme im Frühjahr in Untersuchungshaft. 

Angeklagter sagt nichts

Der Angeklagte habe das Sterben des 17-Jährigen in Kauf genommen, sagte Staatsanwältin Gesa Weiß bei der Anklageverlesung am Donnerstag im Landgericht. „Sein Leben konnte nur durch mehrere Operationen gerettet werden.“ Der 30 Jahre alte Deutsche wollte sich am ersten Prozesstag zu den Vorwürfen nicht äußern.

An jenem Abend Anfang März wollte der Jugendliche mit zwei Freunden in der Innenstadt feiern gehen. Fünf bis sechs Bier hatte jeder von ihnen getrunken, wie der heute 18-Jährige vor Gericht aussagt. Weinend schildert er, was damals geschah. Immer wieder versagt ihm dabei die Stimme: Vor dem Lokal stand eine lange Schlange, und die Blasen der drei drückten. Also gingen sie zu einem Parkplatz in der Nähe, um dort an eine Hecke zu urinieren.

„Der Angeklagte nahm daran Anstoß“, sagt Staatsanwältin Weiß. Das habe er lautstark kundgetan, es sei zum Streit gekommen. Dann habe er den Jugendlichen angegriffen, der ihm am nächsten stand - ihm zielgerichtet und kraftvoll in den Rücken gestochen, sagt Weiß.

Operationen, Wachkoma und große Narben

Der Jugendliche versuchte noch, wegzurennen. „Die Hose war noch offen“, sagt er vor Gericht. Doch der Angreifer war schneller. „Auf einmal wurde es warm an der Seite“, berichtet der 18-Jährige. „Ich habe hingefasst, die Hand war voller Blut.“ Drei Monate lag der Schüler im Krankenhaus, davon mehrere Wochen im Wachkoma. Noch heute sind die Druckstellen der Atemmaske in seinem Gesicht zu sehen. Der Messerstich und die Operationen haben große Narben an seinem Oberkörper hinterlassen. Noch mehr leide er aber unter den psychischen Folgen, sagt er. Abends traue er sich nicht mehr alleine nach draußen.

Der Angeklagte folgt dem Ganzen interessiert, aber scheinbar ungerührt. Auf einem Blatt vor sich macht er Notizen oder blättert in einem Aktenordner. Ob er etwas zu der Sache sagen wolle, fragt ihn der Vorsitzende Richter nach der Anklageverlesung. „Heute nicht“, antwortet der 30-Jährige. Bis Mitte November sind drei weitere Verhandlungstage geplant. Mehrere Zeugen , darunter auch die beiden Freunde des Opfers, und ein Gutachter sollen dann aussagen.

Experte: Wildpinkler sind ein leichtes Opfer

Dass Wildpinkler den Zorn von Passanten oder Anwohnern auf sich ziehen, kommt immer wieder vor. Im Sommer bedrohte ein 39-Jähriger in Hamburg einen Mann, der sich an einem Baum in der Nähe einer S-Bahn-Station erleichtert hatte, mit einer Schreckschusswaffe und feuerte zweimal auf den Boden. In Bremen steht zurzeit ein 46-Jähriger wegen einer ähnlichen Geschichte vor Gericht – in dem Fall soll der Wildpinkler aber der Täter gewesen sein. Der 46-Jährige soll auf einen Gehweg uriniert haben. Als das Opfer ihn darauf ansprach, schlug er es bewusstlos.

Ob ein Streit um Wildpinkelei dermaßen eskaliert, hängt nach Angaben von Kriminalexperten von der Situation ab. Oft sei Alkohol im Spiel und der gewalttätigen Auseinandersetzung gehe ein Wortgefecht voraus, sagte Thomas Bliesener, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in Hannover. „Da gibt es eine besondere Dynamik, so dass sich das hochschaukelt.“ Wildpinkler seien zudem ein leicht anzugreifendes Objekt, sagte der Bremer Profiler Axel Petermann. „Sie stehen da mit geöffneter Hose, urinieren und zeigen dabei wohl regelmäßig den Tätern ihren Rücken.“

Von dpa/RND

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