Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Feuer zerstört elf Wohnwagen auf Campingplatz an Ostsee
Nachrichten Der Norden Feuer zerstört elf Wohnwagen auf Campingplatz an Ostsee
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:31 02.07.2018
Gasflaschen explodierten, und der Wind fachte das Feuer immer wieder an: Der Campingplatz in Plön am Morgen nach dem Brand. Quelle: Fotos: Schekahn
Hohenfelde

„Das war ein Inferno. Es sieht aus wie nach dem Krieg“, sagt Campingplatzbetreiber Eugen Nipp am Montag. Die Schrecken der Nacht sind ihm noch deutlich anzusehen. Bei einem Feuer auf seiner Campinganlage in Hohenfelde (Kreis Plön) an der Ostsee sind elf Wohnwagen und ein Auto abgebrannt. Ein 65-jähriger Mann wurde lebensgefährlich verletzt. Die Polizei geht von einem immensen Schaden aus.

In den brennenden Wohnwagen seien Gasflaschen explodiert, berichtete der Feuerwehrsprecher des Kreises Plön, Georg Bock. Gut 20  Gasbehälter flogen demnach in die Luft. Bei großer Hitze, so erläutert Bock, bricht das obere Ventil heraus, und das Gas schießt in einer Stichflamme aus dem Behälter. Von den elf Wohnwagen hätten die Flammen nur Alustangen und Fahrwerke übrig gelassen. Auch umstehende Wohnwagen seien von der enormen Hitze beschädigt worden.

Verzweifelte Schreie

80 Helfer von sechs Freiwilligen Feuerwehren waren im Einsatz, um die Flammen unter Kontrolle zu kriegen. Die Brandschützer hatten allerdings massive Probleme: Wind fachte die Feuer immer wieder an, rasch griffen sie auf angrenzende Wohnwagen und Vorzelte über.

Ausgebrochen war das Feuer im Campingwagen des 65-Jährigen. Kurz vor Mitternacht hatten mehrere Camper verzweifelte Schreie gehört, aus dem Wohnwagen schlugen bereits Flammen. Die Ersthelfer alarmierten die Feuerwehr und versuchten, den Brand zu löschen – vergeblich. „Der Camper konnte von zwei Zeugen aus dem Vorzelt gezogen und in einen sicheren Bereich gebracht werden“, berichtet Matthias Arends von der Polizeidirektion Kiel. Der Mann erlitt lebensbedrohliche Verbrennungen und musste mit einem Rettungshubschrauber nach Lübeck in eine Spezialklinik geflogen werden. Wodurch das Feuer ausgelöst worden war, ist noch unklar.

Das Unglück traf den Bereich für die Dauercamper, die üblicherweise am Sonntag den Platz verlassen, um am nächsten Tag zur Arbeit zu gehen. In der Nacht von Sonnabend auf Sonntag schliefen in allen betroffenen Wohnwagen noch viele Männer, Frauen und Kinder. Etwa 60 Menschen mussten sich Bock zufolge nach dem Unglück ein anderes Nachtquartier suchen.

Rentner Jürgen Schneider aus Hamburg hat bei dem Brand gleich zwei Wohnwagen und ein Boot samt Trailer verloren. Und doch nimmt der 63-Jährige die dramatischen Geschehnisse der Nacht mit einiger Gelassenheit. „Soll ich jetzt weinen?“, fragt er. Er sei dankbar, an der Ostsee sein zu dürfen. Vor wenigen Monaten hat er eine lebensbedrohliche Operation überstanden. Zweimal hätten die Ärzte ihn reanimiert. Das relativiert die Sicht die Dinge, auch auf einen verbrannten Wohnwagen. Mit einem Schmunzeln sagt Schneider: „Das Bier im Wohnwagen ist jetzt ein bisschen warm.“ Er stelle nun eine Liste mit den Dingen auf, die verbrannt sind. „Man muss sehen, was die Versicherung bezahlt.“ Dem traumhaft gelegenen Campingplatz in Hohenfelde will er auf jeden Fall treu bleiben. „Das baue ich wieder auf.“

Debatte um Sicherheit

Das Großfeuer in Hohenfelde hat in der Region eine Debatte um die Sicherheit auf Campingplätzen ausgelöst. Gert Petzold, Geschäftsführer des schleswig-holsteinischen Landesverbandes für Camping- und Wohnmobiltourismus, weist darauf hin, dass es vorgeschriebene Mindestanstände gebe, um ein Übergreifen von Flammen zu verhindern. Zwischen Zelten und Wohnwagen müssen drei Meter frei bleiben, zwischen Mobilheimen und Wohnwagen gilt ein Sicherheitsabstand von fünf Metern. „Jede Gasanlage muss im Rhythmus von zwei Jahren von einem Gutachter geprüft werden, auch Stromanschlüsse sind regelmäßig zu kontrollieren“, betont Petzold.

Von Bastian Modrow und Hans-Jürgen Schekahn