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Der Norden Polizei nimmt Holocaust-Leugnerin fest
Nachrichten Der Norden Polizei nimmt Holocaust-Leugnerin fest
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02:16 10.05.2018
Die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck wird jetzt per Haftbefehl von der Polizei gesucht. Quelle: dpa
Verden/Vlotho

 Die Polizei Vlotho hat am frühen Montagnachmittag die 89 Jahre alte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck festgenommen. Die Staatsanwaltschaft Verden hatte Haftbefehl gegen sie erlassen, weil sie ihre zweijährige Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne am Freitag nicht angetreten hatte. Wegen Volksverhetzung in acht Fällen war Haverbeck Ende August vor dem Landgericht Verden verurteilt worden.

Seit 2004 stand die Rechtsextremistin schon mehrfach vor Gericht. Vehement hatte sie unter anderem immer wieder öffentlich behauptet, dass das Konzentrationslager Auschwitz kein Vernichtungs-, sondern ein Arbeitslager gewesen sei.  Volksverhetzung nannten das die Richter – unter anderem in Detmold, Hamburg und Berlin – und verurteilten sie zu mehreren Freiheitsstrafen. Haverbeck und ihre Anwälte hingegen plädierten stets auf Freispruch, beriefen sich auf das Recht der freien Meinungsäußerung und legten gegen jedes einzelne Urteil Rechtsmittel ein. Mit Erfolg: Die Verfahren zogen sich über Jahre. Die zweijährige Haftstrafe, die Haverbeck nun antreten muss, ist das erste Urteil, das Rechtskraft erlangte. Im Februar scheiterte die Revision vor dem Oberlandesgericht in Celle

Dass die 89-Jährige am Freitag nicht am Gefängnis erschien, sorgte für heftige Kritik: „So wie Haverbeck seit Jahrzehnten die historische Wahrheit von Auschwitz leugnet, so bestreitet sie nun auch die Legitimität der deutschen Justiz“, sagte der Vizepräsident des Internationalen Ausschwitz-Komitees, Christoph Heubner. „Wenn man sich vor Augen führt, wie viele junge Menschen Haverbeck über Jahre hinweg mit ihren Lügen infiltrieren, belügen und zu antisemitischem Hass verführen konnte, ist es höchste Zeit, dass sie hinter Gittern Zeit zum Nachdenken findet.“

Haverbeck selbst hatte auf ihrer Internetseite betont, sie werde ihre Haftstrafe nicht antreten, weil noch ein medizinisches Gutachten ausstehe, das ihre Haftfähigkeit bestreiten solle. „Es ist nicht so einfach, eine 90-Jährige ins Gefängnis zu schicken“, sagte sie in einem Video im Internet.

Am Ende war es das dann aber doch: „Seit dem 20. April 2018 liegt ein amtsärztliches Gutachten vor, das die Haftfähigkeit der Verurteilten bestätigt“, teilte die Staatsanwaltschaft Verden am Montag mit. Die Aussagen Haverbecks im Internet seien falsch. Da die 89-Jährige ihre Gefängnisstrafe nicht binnen der siebentägigen Frist angetreten hatte, erließ die Staatsanwaltschaft einen Vollstreckungshaftbefehl. Die Polizei in Vlotho konnte Haverbeck schließlich am Montagmittag in ihrem Heimatort festnehmen. 

Von Carina Bahl

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