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Der Norden Das denken Kinder über Datenschutz
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17:56 03.07.2018
„Viele Dinge sind gefährlich - wenn wir falsch damit umgehen“: Am Dienstag diskutierten Kinder in Berlin auf einer Fachkonferenz über Datenschutz. Quelle: picture alliance / dpa
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Berlin

Wie werden Kinder fit in Sachen Datenschutz im Internet? Diese Frage stand am Dienstag in Berlin im Mittelpunkt einer Fachkonferenz. Das Besondere: Kinder beteiligten sich aktiv an der Diskussion. Für sie sei es die erste Konferenz, auf der Kinder die Eröffnungsrede hielten, sagte Andrea Voßhoff, Bundesbeauftragte für den Datenschutz. Ein Satz aus der „Keynote“ von Emil und Laurin aus der Klasse 6b der Kastanienbaumschule in Berlin habe ihr darin besonders gefallen: „Viele Dinge sind gefährlich - wenn wir falsch damit umgehen.“ Es gehe darum, sie zu kennen, um dann richtig damit umzugehen.

„Cybermobbing sollte verboten werden“

„Datenschutz? Mir egal“ - diese Einstellung ist weit verbreitet. „Willst du etwa, dass dein bei Facebook gepostetes Bild für Werbung für Pickelcreme benutzt wird?“, fragt Kalina aus der 5c. „Nein!“ antworten ihre Mitschüler. Auch wir wollen eine Privatsphäre haben, sagt Emil. „Wir wollen gefragt werden, wenn es um Bilder geht, die die Eltern ins Netz stellen wollen, sagt Laurin. Und die Forderungen der Kinder? Bessere Webseiten und Suchmaschinen für Kinder, mehr Kurse zu dem Thema in der Schule – und: Cybermobbing soll verboten werden, sind sich die Kinder der 4c einig.

Ziel der Tagung sei es, Empfehlungen und Maßnahmen zu entwickeln, wie sich so ein auch für Erwachsene oft sperriges Thema wie Datenschutz vermitteln lässt, teilte der Berufsverband der Datenschutzbeauftragten Deutschlands BvD mit. Datenschutz solle weniger das trockene Brötchen nach einer Mandeloperation sein, „als vielleicht – Kuchen“, brachte es Moderator Ralph Caspers auf den Punkt.

Eltern müssen mit Kindern sprechen

„Es gibt viele Apps, die wir Kinder benutzen – Instagram, Snapchat“, sagte Emil. „So wie alle Schuhe tragen, nutzt auch jeder heute ein Smartphone. Wir sind damit aufgewachsen und kennen das nicht anders.“ Das habe große Vorteile. Er habe einen Freund in Amerika, mit dem er jederzeit chatten könne. Auch wenn man „im letzten Kaff“ sitze, könne man über das Internet viel erfahren. „Es gibt aber auch Risiken“, sagt Laurin, ebenfalls aus der 6b. „Wer kann mit mir Kontakt aufnehmen, auch wenn ich es gar nicht will?“ Es gebe auch Bilder, die Eltern vielleicht unbedacht gern ins Netz stellen wollten. „Deshalb müssen wir reden.“ Die Erwachsenen müssten über diese Fragen mit ihren Kindern sprechen, fordert er.

Das Projekt Deutschland sicher im Netz (DsiN) stellte etwa sein Bildungsangebot „DigiBitS – Digitale Bildung trifft Schule“ aus, das Lehrern inzwischen in mehr als 65 Schulen in Berlin und Brandenburg sowie in NRW einen Koffer gefüllt mit aufbereitetem Lehrmaterial inklusive Tablet zur Verfügung stellt. Seit 2009 gehen Fachleute des BvD direkt in die Schulklassen und klären etwa über den Schutz gegen Viren und Trojanern auf.

Pädagogische Datenschutz-Konzepte erarbeiten

Laut des aktuellen Sicherheitsindex‘ des DsiN wünschen sich 82 Prozent der befragten Jugendlichen eine verstärkte Unterstützung. Es sei wichtig für Kinder zu wissen, dass es Erwachsene, auch die Eltern gibt, die helfen können, wenn es um den Umgang mit Technik und Informationen geht, sagte Rudi Kremer vom BvD. „Kinder können mit vielen Geräten umgehen, wissen aber oft nicht, wie sie sich schützen können“, sagte Birgit Kimmel von der EU-Initiative klicksafe.de. Dabei brauchten sie unsere Unterstützung. „Viele Eltern wissen aber auch oft selbst keinen Rat, weil sie bei den Risiken nicht wirklich durchblicken.“

Viele Seiten im Netz, Geräte und Produkte sendeten aktuell Daten, die Werbetreibende für gezielte Angebote für Kinder nutzten, sagte Kremer. „Deshalb müssen wir pädagogische Konzepte erarbeiten, wie wir schon Fünf- oder Sechsjährigen Datenschutz nahebringen können.“ Es sei wie im Straßenverkehr, weiß Emil. Auch im Internet müsse es Regeln geben. „Aber so, dass wir es verstehen.“

Patrik Penitzka, Medienscout aus der 9. Klasse des Heinrich-Heine-Gymnasiums Oberhausen rät: „Einfach mal den Kopf einschalten.“ Er hilft jüngeren Schülern, sicher mit modernen Medien umzugehen. Bei jedem Post etwa auf Facebook sollte man sich fragen, ob man das auch in 20 Jahren noch sehen wolle.

Von dpa/RND

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